Zeitung Heute : Maybach: Neues Leben für eine alte Marke

ivd

2002 rollen die ersten neuen Maybach aus der Manufaktur in Sindelfingen

Die ersten Entwürfe für das neue Luxusmodell von Mercedes-Benz tragen noch den Mercedes-Stern und dazu den Namen Maybach. Doch inzwischen hat man sich entschlossen, auf den Stern zu verzichten und die alte Marke Maybach neu zu beleben. Und so präsentiert sich das künftige Top-Modell nun mit dem neuen alten Markenemblem, den zwei miteinander verbundenen großen "M", wobei das neue "MM" statt wie früher für "Maybach Motorenbau" künftig für die "Maybach Manufaktur" in Sindelfingen stehen wird. Und dies wiederum steht für höchste technische und stilistische Perfektion, wie sie die legendären "Zeppeline für die Straße" auszeichnet, die zwischen 1921 und 1941 zu den Spitzenprodukten des Automobilbaus gehörten, die "deutschen Rolls-Royce" waren, wie man sie respektvoll nannte.

Ihr Schöpfer war Karl Maybach, ein nicht weniger fähiger Konstrukteur als sein berühmter Vater Wilhelm Maybach, der zusammen mit Gottlieb Daimler einer der Erfinder des Automobils war. Doch neben Carl Benz und Gottlieb Daimler drohte der Name Wilhelm Maybachs lange in Vergessenheit zu geraten. Und das, obwohl er der Vater des ersten Mercedes ist, der kurz nach dem Tod Gottlieb Daimlers 1900 in Nizza sein Debüt gab, der "König der Konstrukteure" ("Roi des constructeurs"), wie ihn die Franzosen respektvoll nannten, der viele Meilensteine für die Entwicklung der modernen Fahrzeugtechnik setzte und dem modernen Auto seine Gestalt gab.

1907 aus dem Unternehmen herausgedrängt, baute Wilhelm Maybach fortan Luftschiffmotoren für den Grafen Zeppelin. 1912 übernahm sein Sohn Karl die technische Leitung der nach Friedrichshafen umgezogenen Fabrik, die alle Zeppeline von 1909 bis zum "LZ Graf Zeppelin" im Jahr 1928 mit Motoren ausstattete. Als allerdings nach dem Ersten Weltkrieg der Flugmotorenbau verboten wurde und Maybachs Pläne, als Motorenzulieferer für die Autoindustrie tätig zu werden, sich zerschlugen, entschied er sich, selbst Automobile zu bauen. Das konnten angesichts der gewaltigen Reihensechszylinder nur große Fahrzeuge sein. So baute Karl Maybach kompromisslose Luxusautos, Autos, die in Technik, Leistung und Zuverlässigkeit absolute Spitzenprodukte waren.

Maybach, dessen "W3" 1921 eine der Sensationen der Berliner Automobilausstellung war, stieg binnen weniger Jahre zur Spitzenmarke auf und Karls Vater Wilhelm war es vergönnt, noch vor seinem Tode im Jahr 1929 den repräsentativen Zwölfzylinder Maybach DS zu erleben. Da Maybachs Motoren eigentlich überdimensioniert waren, lieferten sie ein so hohes Drehmoment, dass mit ihnen im direkten Gang Fußgängertempo gefahren werden konnte. Statt eines Schaltgetriebes stattete Maybach sie mit einem zweistufigen Planetengetriebe aus, was den Gangwechsel durch Festbremsen der einzelnen Komponenten extrem vereinfachte, so dass Maybach-Autos als schaltungslos galten.

Insgesamt 2300 Autos hat Karl Maybach gebaut - und kaum eines glich dem anderen. Denn jeder Käufer ließ sich für das von Maybach gelieferte Chassis seine eigene Karosserie schneidern, so dass praktisch jeder Maybach ein Unikat war. Und so soll es auch beim neuen Maybach sein, dessen Standard-Aufbau in der Maybach Manufaktur ganz nach den individuellen Käuferwünschen ausgestattet wird.

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