Zeitung Heute : Maybach: Vater und Sohn waren geniale Konstrukteure

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Maybach - das ist nicht nur der Name für ein Elite-auto der Jahre zwischen 1921 und 1941, das jetzt in moderner Form unter dem Dach von DaimlerChrysler eine neue Karriere beginnt. Denn mit dem Namen Maybach aufs Engste verknüpft ist auch die Erfindung des Automobils und die Entwicklung seiner noch bis heute gültigen Grundgestalt. Denn ohne den zehn Jahre jüngeren und geradezu genialen Konstrukteur Wilhelm Maybach hätte Gottlieb Daimler seinen ers-ten Motorwagen kaum auf die Räder stellen können. Maybach ist der eigentliche Schöpfer nicht nur des leichten, schnelllaufenden und für den Fahrzeugantrieb geeigneten Benzinmotors. Auch Schwimmer-Vergaser, V2-Motor, Zahnrad-Wechselgetriebe, 4-Zylinder-Reihenmotor, 2-Zylinder-Reihenmotor, Spritz-düsenvergaser, Röhrenkühler und Bienenwaben-kühler sind Maybach-Entwicklungen bis hin zum 1901 vorgestellten ersten Mercedes, mit dem das Auto mit vorn liegendem Motor, langem Radstand und niedrigem Schwerpunkt endgültig Abschied von der Kutsche nahm und seine klassische Form fand - eine Maybach-Schöpfung, die ihm den Titel "König der Konstrukteure" einbrachte. Doch mit dem Maybach-Autos hat Wilhelm nur indirekt zu tun. Sie sind eine Schöpfung seines ebenso talentierten Sohnes Karl. Der hatte sich 1909 auf den Bau von Luftschiffmotoren und Flugmotoren konzentriert. Alle Zeppeline seit 1909 bis zum LZ "Graf Zepelin" im Jahr 1928 wurden seitdem von Maybach-Motoren angetrieben. Doch als mit dem Ende des Ersten Weltkriegs der Flugmotorenbau verboten wurde und Maybachs Pläne, als Motorenzulieferer für die Autoindustrie tätig zu werden, sich zerschlugen, entschloss er sich, selber Fahrzeuge zu bauen.

Maybach entschied sich konsequent für kompromisslose Luxusautos, die sich nur sehr wenige leis-ten konnten und die in Technik, Leistung und Zuverlässigkeit absolute Spitzenprodukte waren. Vom Flugmotorenbau an "überbemessene" Motoren gewöhnt, verfolgte Maybach dieses Konzept auch bei seinen Fahrzeugmotoren. Die lieferten bei niedrigen Drehzahlen ein so hohes Drehmoment, dass mit ihnen im direkten Gang noch Fußgängertempo gefahren, aber auch Steigungen von 10 Prozent bewältig werden konnten. Statt eines Schaltgetriebes, dessen Bedienung für die damals unsynchronisierten Getriebe mit Zwischengas recht kompliziert war, beschränkte sich Maybach auf ein Planeten-Getriebe mit zwei Stufen als Vorgelege, bei dem der Wechsel vom direkten Gang zum Berggang durch Festbremsen der einzelnen Komponenten bequem und ohne Zwischengas geschah, so dass Maybach-Wagen als schaltungslos galten. Bemerkenswert beim ersten Maybach war neben zwei Zündkerzen pro Zylinder eine Vierradbremse mit Bremskraftausgleich.

Fast jeder Maybach war ein Unikat. Denn Maybach lieferte nur Chassis mit aller Technik. Die jeweilige Karosserie ließ sich der Käufer von einem der zahlreichen Karossiers individuell anfertigen. 1929 entwickelte Maybach einen 7,0-Liter mit doppelter Zylinderzahl, einen V12. Ihm folgte als absolutes Spitzenmodell der Maybach Zeppelin, anfangs als Doppel-Sechs-7-Liter, von 1931 als Doppel-Sechs-8-Liter mit 147 kW (200 PS). Das war ein gewaltiges 5,52 Meter langes Auto mit 2,3 Tonnen schwerem Fahrgestell, das bis zu 170 km/h erreichte - mit strömungsgünstiger Jaray-Karosserie sogar bis zu 190 km/h.

Ein paar Mark ausgeben musste man allerdings für einen Maybach: 27000 Mark für das Fahrgestell, 40000 bis 50000 Mark für das komplette Auto. Ein Einfamilienhaus kostete damals rund 10000 Mark und für den Preis eines Maybach-Zeppelin bekam man 33 Opel P4. 1941 endete der Automobilbau bei Maybach und nach dem Krieg wurde er nicht wieder aufgenommen. Doch der Ruhm der Maybach-Fahrzeuge, von denen nicht mehr als 2300 gebaut wurden, reicht bis in unsere Tage.

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