Zeitung Heute : Maybach: Wiederkehr einer Legende

Ingo Dahlern

Bislang gehörte er zu den großen Geheimnissen aus dem Hause DaimlerChrysler - der neue Maybach. Strengstens abgeschirmt wurde er, als er für einem hohen Besucher aus Saudi-Arabien im vergangenen Jahr in der Berliner Mercedes-Welt am Salzufer gezeigt wurde. Doch schon in wenigen Tagen wird das Geheimnis um die endgültige Gestalt des neuen Spitzenmodells der deutschen Automobil-industrie gelüftet - denn auf dem traditionsreichen Frühjahrssalon, der in der nächsten Woche in Genf beginnt, wird sich das neue Luxusauto erstmals in produktionsreifer Version vor großem Publikum präsentieren.

Mit ihm steigt DaimlerChrysler in völlig neue Dimensionen auf. Denn schon die erste Variante des Maybach stellt mit einer Länge von 5,72 Meter selbst die bereits sehr repräsentative S-Klasse weit in den Schatten. Und die zweite Maybach-Variante mit ihrem Radstand von 3,83 Meter - das entspricht der Gesamtlänge eines ausgewachsenen Kompaktautos - misst insgesamt sogar 6,16 Meter. Da bietet der Fond so viel Platz, dass die Passagiere es sich auf komfortablen Einzelsitzen bequem machen können, die sich per Knopfdruck in eine bequeme Liegeposition mit automatisch ausfahrenden Fuß- und Beinstützen bringen lassen - so etwa wie die First-Class-Sitze von Interkontinentaljets.

Luxus pur umgibt die Maybach-Passagiere, für deren Auto kein Material zu edel und zu teuer ist. Edles Leder, wertvolle Hölzer, glänzender Chrom und hochwertige Stoffe in perfekter Verarbeitung prägen das Interieur dieses Autos, das an die Traditionen jener "deutschen Rolls Royce" anknüpft, die zwischen 1921 und 1941 zu den luxuriösesten deutschen Fahrzeugen gehörten. Zum Maybach-Angebot unserer Tage gehört natürlich auch die modernste Informations- und Kommunikationstechnik. Wie zum Beispiel zwei Flachbildschirme, die nicht nur mit dem zur Serienausstattung zählenden TV-Empfänger und DVD-Spieler verbunden sind, sondern auch Zugang zu den heutigen Kommunikationsnetzen schaffen.

Überlegene Fahrleistungen, wie sie schon die klassischen Maybachs auszeichneten, prägen auch seine moderne Wiedergeburt. Denn unter der langges-treckten Motorhaube arbeitet ein groß dimensionierter 5,5-Liter-Biturbo-Motor mit zwölf Zylindern. Der leistet 405 kW (550 PS) und entwickelt ein selbst für absolute Luxuswagen ungewohnt hohes Drehmoment von 900 Newtonmetern. Ein Motor übrigens, der ebenso wie der kleinste Konzernmotor - der Antrieb des winzigen Smart nämlich - aus einem der modernsten Motorenwerke von DaimlerChrysler kommt - dem Motorenwerk in Berlin-Marienfelde. Einen den Fahrleistungen des Maybach ebenbürtigen Fahrkomfort ermöglicht das aufwändige Fahrwerk mit seiner elektronisch geregelten Luftfederung und dem elektro-hydraulischen Hochleistungs-Bremssystem Twin-Sensotronic Brake-Control. Und selbstverständlich ist beim Maybach alles an Bord, was moderne Sicherheitstechnik möglich macht.

Ein Auto wie der Maybach, in dem alle Spitzentechnik steckt, die Mercedes-Benz zu bieten hat, entsteht nicht auf einem traditonellen Fertigungsband, sondern in aufwändiger handwerklicher Fertigung in einer Manufaktur - der Maybach-Manufaktur, die DaimlerChrysler in Sindelfingen eingerichtet hat, wo sie im Sommer ihre Arbeit aufnimmt. Rund vier Wochen dauert es, eine dieser Luxuslimousinen fertigzustellen. Und keines von den bis zu sieben Fahrzeugen, die jeden Tag in der Manufaktur vollendet werden, wird dem anderen gleichen. Denn abgesehen einmal von der allen gemeinsamen Basistechnik wird jedes ganz nach den individuellen Wünschen seiner späteren Nutzer ausgestattet werden. Die treffen sich mit den Designern und Ingenieuren ihres Autos im Center of Excellence, dessen Maybach-Atelier alle jene Materialien präsentiert, die Basis für die individuelle Gestaltung jedes einzelnen Maybach sind.

Mit dem Maybach kehrt nach immerhin 60 Jahren Unterbrechung ein Eliteauto zurück, das realisiert, was in der absoluten Luxusklasse machbar ist. Das allerdings hat auch seinen Preis, denn der Mindesteinsatz für einen Maybach liegt bei nach oben offener Skala bei etwa 300 000 Euro.

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