Zeitung Heute : MBA-Abschluss: Für globales Know-how

Regina-C. Henkel

Die gute Nachricht: Der Master of Business Administration, kurz MBA, ist eine lohnende Angelegenheit. Am Ende Monate oder gar Jahre langer Fallstudienarbeit haben 94 Prozent der Absolventen die Auswahl unter bis zu vier Stellenangeboten. Und das nicht allein. Das Büffeln ist auch finanziell ziemlich attraktiv: Consulting-Arbeitgeber bezahlen Mitarbeitern mit einem MBA, der in der angelsächsischen Welt einem hiesigen Doktor-Titel weit überlegen ist, Topsaläre. Im "MBA Carreer Guide" werden Jahreseinkommen von durchschnittlich 87 000 US-Dollar genannt. Banken zahlen MBA-Absolventen nach Angaben der Londoner Publikation durchschnittlich 79 000 US-Dollar per anno und Industrieunternehmen ist das Management-Know-how immerhin 77 000 US-Dollar pro Jahr wert.

Die bessere Nachricht: Von September bis Dezember werden sich rund 150 Wirtschaftsakademien in 19 Städten mit einer "World MBA Tour 2000" vorstellen. Darunter sind neun der "Top Ten" US-Akademien sowie auch die wichtigsten europäischen Institute. Die London Business School ist ebenso dabei wie Insead und HEC (Frankreich), Bocconi (Italien), IMD (Schweiz) oder die Rotterdam School of Management.

Das sind unbestritten die weltweit feinsten MBA-Adressen. Und das wiederum ist für die weltweit wichtigsten Wirtschaftszeitungen Argument genug, um die Aktion zu unterstützen. Von deutscher Seite sind "Handelsblatt Karriere" und ihr Ableger "Junge Karriere" mit von der Partie.

Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht. Wer sich als Berliner über Zulassungsbedingungen, Kurse, Kosten und Stipendien informieren möchte, muss nach Westdeutschland reisen. "The World MBA Tour Europe" stoppt am 14. Oktober in Frankfurt am Main, am 16. Oktober in München.

Ist die Hauptstadt keine akzeptable Adresse für Top-Management-Weiterbildung? Scheinbar nicht, denn auch die Duke University aus Durham in North Carolina hat Berlin als Standort für ihre neue europäische Niederlassung gar nicht erst in Betracht gezogen. Die Wahl fiel auf "Mainhattan". In der "TOP 10"-Liste von MBA-Anbietern, die das amerikanische Magazin "Business Week" regelmäßig veröffentlicht, ist "Duke" ebenso vertreten wie beim Ranking der britischen "Financial Times". Dort erreicht die Management-Kaderschmiede Platz vier.

Diese Woche startet der erste Jahrgang an "The Fuqua School of Business Europe" seine zwanzigmonatige, berufsbegleitende MBA-Ausbildung. Insgesamt 16 Kurse müssen absolviert werden. Nur acht Wochen sind für Präsenzunterricht vorgesehen, die übrige Zeit können die Studenten ihr Lernpensum von 20 bis 30 Stunden wöchentlich parallel zu ihrer normalen Berufstätigkeit erledigen. Die 44 Studenten, die ab morgen im ehemaligen Offiziershotel auf dem früheren US-Luftwaffenstützpunkt in Frankfurt mit dem Abarbeiten von Case-Studies beginnen, stammen aus 13 Ländern und arbeiten für Global Player wie Deutsche Bank, Deutsche Börse oder MG Technologies - alles Unternehmen mit dem Hauptsitz Frankfurt. Das "20-Monats-Laboratorium" hat Elite-Charakter. Eine zentrale Rolle spielt der Laptop. Gefüttert mit spezieller Duke-Software, ermöglicht er ein Online-Studium, in dessen Mittelpunkt "Interaktion, Technologie und Globalisierung" stehen. So sagt Marketingchef Felix B. Müller, der zur Präsentation des neuen MBA-Angebots vergangene Woche extra nach Berlin reiste - immerhin.

Der MBA an "The Fuqua School of Business Europe" kostet übrigens 66 850 Euro. Die Zulassungsbedingungen: TOEFL und GEMAT (internationale Sprachentests), ein abgeschlossenes Hochschulstudium und Berufserfahrung. Das ist Standard und wird auch an der Handelshochschule Leipzig verlangt. Dort kostet der in 15 Monaten erreichbare MBA-Titel, der ebenfalls für "Managementaufgaben in global tätigen Unternehmen qualifizieren soll" (Rektor Gert Assmus), allerdings nur 12 400 Euro. Auch an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin ist ein "European Management-MBA" möglich - in 14 Monaten, die allerdings im Vollzeitunterricht absolviert werden müssen. Gesamtkosten: rund 13 000 Mark.

Da die Angebote für eine MBA-Ausbildung immer zahlreicher werden, ist Information wichtig. Den Überblick hat der Akkreditierungsrat (www.akkreditierungsrat.de) - von der Kultusministerkonferenz (KMK) berufen. Auf die Qualität achtet die Bonner "Internationale Stiftung der Wirtschaft für Qualität im Management Training", FIBAA. Für den interessierten Aspiranten bleibt deshalb: Erst die Qual der Wahl und dann "eine anspruchsvolle Periode intensiven Lernens", wie Felix B. Müller die Fuqua-Ausbildung nennt. Das Problem: Die anderen Anbieter sagen über ihre MBA-Offerte genau dasselbe.

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