McCains Melanom : Der Krebs des Kandidaten

Hartmut Wewetzer

Es sind nicht nur die schlechten Wahlprognosen, die dem republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten John McCain zu schaffen machen. Auch die Spekulationen über seinen Gesundheitszustand reißen nicht ab. In Amerika wird im Wahlkampf eben jedes Detail genauestens untersucht. Und es wird auch nicht davor zurückgeschreckt, über den Todeszeitpunkt eines Kandidaten zu spekulieren. Im Mittelpunkt steht nun mal wieder das Melanom, das McCain im Jahr 2000 im Bereich der linken Schläfe entfernt wurde. Von dem Eingriff hat der 72-jährige Senator eine geschwollene Wange zurückbehalten. Das Melanom, der schwarze Hautkrebs, ist der gefährlichste Hauttumor. In der „New York Times“ mutmaßt nun der Medizinredakteur Lawrence Altman, dass das Melanom bereits eine Tochtergeschwulst gewesen sein könnte. McCains Zehn-Jahres-Überlebenschance würde nur noch 36 Prozent betragen.

Noch weiter geht der US-Mediziner John Alam: In einem Leserbrief, abgedruckt im angesehenen und einflussreichen Medizinjournal The Lancet, kommt er auf ein Zehn-Jahres-Überleben von 24 Prozent. Er begründet seine Fernprognose damit, dass das Melanom bereits eine Dicke von 2,2 Millimetern gehabt habe. Außerdem sei McCain zum Zeitpunkt der Diagnose älter als 60 gewesen, und das Melanom sei nicht an Armen und Beinen aufgetreten. Das erhöhe ebenso das Risiko wie die Tatsache, dass McCain ein Mann sei.

Uwe Trefzer, Hautkrebsexperte an der Berliner Uniklinik Charité, widerspricht: „McCains Zehn-Jahres-Überlebenschance zum Zeitpunkt des Eingriffs betrug 70 Prozent, heute liegt sie sogar bei 90 Prozent.“

Stellt sich die Frage: Wollte The Lancet Stimmung gegen McCain machen? Immerhin verschweigt das Blatt nicht, dass der Leserbriefschreiber Mitglied der Demokraten ist und Geld an seine Partei gespendet hat. Vielleicht stimmt ja eher eine andere Prognose: Die US-Präsidenten Clinton, Bush senior, Reagan und Johnson mussten sich wie die Vizepräsidenten Gore und Cheney während ihrer Amtszeit Hautkrebsoperationen unterziehen – erfolgreich. Ist die Krankheit eine Art Einstellungsvoraussetzung? Hartmut Wewetzer

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