Zeitung Heute : McFeminismus

Der Tagesspiegel

Bis Frühjahr 2003 lohnt sich für den Mann das Leben noch. Danach ist Schluss, weil mit „Ally McBeal“ im deutschen Fernsehen Schluss ist. Die US-Serie um die Bostoner Anwältin hat den radikalen, Männer mordenden Feminismus vermenschlicht und über den Ausstrahlungstermin am Dienstag in aufgeklärte Bahnen gelenkt. Klar, Männer sind Schweine, daran hat auch der „McBealismus“ nichts geändert, aber irgendwie doch nützlich: zum Kuscheln, für Sex in der Waschanlage, spätere Heirat nicht unbedingt ausgeschlossen. Anwältin Ally wollte über die Solidarität aller Schwestern zwar die Welt verändern, aber zuvor unbedingt noch „Mr. Right“ finden. Single sein lässt sich in einer Beziehung allemal besser ertragen. Auch für den Mann. Was bieten ihm das Leben und insbesondere das Fernsehen denn an? Frauen, die in der ARD Julia heißen, bei Sat 1 Krankenschwestern sind oder ihn bei RTL als Ex-Freundinnen von Dieter Bohlen quälen. Ally McBeal führt vor, dass Frauen ungewöhnlich, ja außergewöhnlich sein können. Nicht den Männern gleich, ihnen fremd, rätselhaft, anziehend. Für den Mann in der Fernseh- und Menschheits-Ära nach „Ally McBeal“ bleiben nur drei Möglichkeiten: „Emma“ lesen, schwul werden oder nie wieder fernsehen. Denn Ally McBeal alias Clarista Flockhart ist vergeben. An Harrison Ford, den animalischen Hollywood-Kerl, den alle Frauen lieben. jbh

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