Zeitung Heute : Medienberufe: Akademische Perspektiven

Bernd Rasche

Seit das Massachusetts Institute for Technology (MIT) kürzlich damit begann, sein gesamtes inhaltliches Angebot kostenlos ins Internet zu stellen, hat eine neue Ära in der Öffentlichkeit von Wissenschaft begonnen. Für Hans-Jürgen Krysmanski, Professor und Medienexperte der Universität Münster, müssen mehr Wissenschaftler lernen, "aktiv ihre eigene Wissenschaftsprodukte in das Internet zu stellen, um dort eigenständig präsent zu sein".

Nicht nur die MIT-Initiative fordert die Alma mater zwischen Aachen und Zwickau. Öffentliche wie private Fernsehsender senden in einer zunehmenden Fülle von Wissenschaftssendungen für ein immer größer werdendes Publikum Berichte über naturwissenschaftliche und archeologisch-kulturwissenschaftliche Inhalte. Diese Sendungen, etwa Quarks und Co beim WDR oder nano bei 3 SAT, werden häufig zu den besten Sendezeiten ausgestrahlt. Gegenüber den oft einfallslosen und flachen Inhalten in neuen Medienprodukten, wie etwa kürzlich die RTL-Serie "Big Brother", bilden Sie einen Gegenpol und finden ihr Publikum. Aber auch Filmbeiträge im neuen Medium des Internet-TV, wie das Angebot von TV1.de, erhalten in Deutschland zunehmende Popularität.

Immer mehr Wissenschaftler beginnen daher, die Bedeutung der Medien für die öffentlichkeitswirksame Verbreitung ihrer Arbeit und Forschungsergebnisse zu erkennen. Und: Nicht nur an Hochschulen und klassischen Wissenschaftsorganisationen erwacht langsam ein Gespür, auch mittelständische Berufsgruppen mit semiwissenschaftlichen Arbeitsfeldern - etwa Ingenieure, Architekten oder Ärzte - stellen sich auf Medienkompetenz für ihre Tätigkeitsfelder ein.

Verlangt werden neue Formen der Recherche, der Präsentation und des Erzählens wissenschaftlicher Ergebnisse in Form einer für den Laien verständlichen Geschichte. Die Welt der visuellen Produktion und der Vermarktungsstrategien ist aber für viele noch ein ungewohntes Arbeitsfeld: "Wissenschaftler tun sich oft schwer damit, ihre Produkte verschiedenen Zielgruppen gleichermaßen gut zu präsentieren", so Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsmoderator beim WDR-Fernsehen. Ein Überblick über die Entwicklung wissenschaftlicher Inhalte im Fernsehen, im Internet und in den so genannten converging media gehört ebenfalls zu den neuen beruflichen Qualifikationen.

Die Universität Münster ist in die Offensive gegangen und bietet bundesweit einmalige Weiterbildungskurse zur Medienkompetenz für Wissenschaftler an. Sie werden in Kooperation mit der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) im September und Oktober im Sony-Center veranstaltet. Dozenten der dffb und Praktiker aus den Medien (etwa Spiegel TV, WDR, Deutsches Forschungsnetz) geben den Teilnehmern eine Einführung in das Produktionsfeld von Internet, Internet-TV und Wissenschafts-TV. Das Angebot zielt zukünftig darauf ab, auf das neu entstehende Berufsfeld des "Science Content Developer" vorzubereiten. Wissenschaftler können hier für wissenschaftliche Organisationen, Hochschulen und andere Institutionen als Berater in der öffentlichkeitswirksamen Präsentation von Wissenschaftsprodukten tätig werden.

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