Zeitung Heute : Medienberufe: Frühe Beziehungen

Bernd Hops

Wer Journalist werden will, der hat die Qual der Wahl, wie und wo er sich ausbilden lassen will. Die Frage lautet: Bewirbt er sich bei einer Zeitung oder einem Sender um ein Volontariat, oder geht er lieber zu einer Journalistenschule. Bundesweit mehr als zehn Schulen buhlen um den journalistischen Nachwuchs, unabhängige und verlagseigene. Hinzu kommt der Studiengang "Diplomjournalistik". Die Hürden dafür sind hoch: An der Universität Dortmund beispielsweise können nur Abiturienten mit einem Traum-Abschluss von 1,0 sicher mit einer Aufnahme in den Diplom-Studiengang rechnen. Die übrigen müssen mit großer Wahrscheinlichkeit ein oder mehrere Wartesemester einkalkulieren.

Stiftungsstipendien

Darüber hinaus offerieren verschiedene Stiftungen ihren Stipendiaten spezielle Lehrgänge - darunter die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses der deutschen (katholischen) Bischofskonferenz. Die evangelische Kirche wiederum unterhält eine eigene Akademie in Berlin.

Die bekannteste Ausbildungsstätte ist die 1949 gegründete Deutsche Journalistenschule (DJS) in München. Träger sind eine Reihe von Zeitungsverlagen, Rundfunk- und Fernsehsendern und die Journalistengewerkschaften. Jährlich werden 45 angehende Journalisten aufgenommen. 15 Schüler erhalten eine 16-monatige Kompaktausbildung, die übrigen studieren an der Universität München Diplomjournalistik und absolvieren parallel dazu die Schulkurse. Die Ausbildung ist umfassend und schließt sowohl Print-Medien als auch Hörfunk, Fernsehen und PR ein. Ähnlich sieht die 15-monatige Ausbildung für die jährlich 32 Schüler der Berliner Journalisten-Schule aus. Diese Einrichtung wurde 1986 unter Beteiligung der DJS gegründet.

Auch die Henri-Nannen-Schule in Hamburg setzt auf die Vermittlung der Grundfertigkeiten in allen wichtigen Medien. Das Auswahlverfahren für die 18 Plätze des 18-monatigen Lehrgangs gilt als intellektuell sehr anspruchsvoll. Auf eine sehr gute Allgemeinbildung legt die Schule großen Wert. Vor allem Blätter von Gruner + Jahr (zum Beispiel "Geo", "Stern", "Brigitte") nehmen die Schüler für die praktischen Stationen auf. Über die Konzern-Grenze hinaus bieten jedoch auch die "Zeit" und der "Spiegel" Praktikumsplätze.

Wirtschafts-Know-how

Zwei Jahre dauert die Ausbildung auf der Journalistenschule Axel Springer. Seit 1986 wurden dort mehr als 600 Redakteure ausgebildet. Nach Angaben der Schule werden knapp 80 Prozent der Absolventen vom Verlag übernommen. Ausbildungsorte sind Hamburg und Berlin. Speziell für Wirtschaftsjournalisten gibt es zwei Schulen in Deutschland: die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft und die Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Letztere sorgt für den Nachwuchs der Handelsblatt-Gruppe, weiterer Blätter des Holtzbrinck-Konzerns und des Senders "n-tv". Neben einer klassischen Print-Ausbildung wird hier auch Know-how im Online-Journalismus vermittelt.

Akademiker bevorzugt

Die Voraussetzungen für eine Bewerbung bei den einzelnen Schulen sind unterschiedlich. Die meisten verlangen jedoch ein abgeschlossenes Hochschulstudium. Die Termine, zu denen die Lehrgänge beginnen, sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Eins brauchen die Interessenten in den meisten Fälle jedoch: Geduld. Die RTL-Schule in Köln nimmt gar erst 2003 Neuzugänge auf.

Interessenten sollten sich also möglichst frühzeitig an die Schule ihrer Wahl wenden, um den Einsendeschluss nicht zu verpassen. Die Ausbildung selber ist generell kostenlos. Eine Vergütung dagegen nicht die Regel. Bei der Berliner Journalistenschule und der Evangelischen Journalistenschule zum Beispiel gibt es kein Geld. Die Henri-Nannen-Schule zahlt eine Beihilfe von monatlich 1300 Mark und die Holtzbrinck-Schule ein Volontärsgehalt von gut 3000 Mark.

Neben der Vermittlung von Theorie und Praxis spielen die Journalistenschulen aber auch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle: Hier werden Beziehungsnetze geknüpft, zwischen den Schülern und zu den beteiligten Blättern. Denn oft gilt bei Einstellungen, dass den Job derjenige bekommt, der in der Redaktion oder im Verlag schon seine Spuren hinterlassen hat.

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