Zeitung Heute : Medienberufe: Gemischte Bilder - Was Mediengestalter und Film- und Videoeditoren lernen

Helga Ballauf

Wie ist die Lichtstimmung? Welcher Montagetyp liegt vor? Stellen Bild oder Ton die Kontinuität der Botschaft her? Welche visuelle Absicht ist erkennbar? Die angehenden Film- und Videoeditoren und auch Mediengestalter Bild und Ton die diskutieren heftig. Die Azubis bereiten sich in der "Schule für Rundfunktechnik" (SRT) in Nürnberg auf die schriftliche Abschlussprüfung vor. Bei der Analyse eines Werbefilms geht es um die richtigen Fachbegriffe, aber auch um die Einsicht, dass filmische Gestaltungsmittel nicht bei jedem Menschen gleich wirken.

Die SRT wurde vor 35 Jahren als Weiterbildungsinstitut von ARD und ZDF gegründet. Das Haus ist neben Betrieb und Berufsschule der dritte Lernort für alle Azubis in Bayern in einem audiovisuellen Produktionsberuf. Konzentrierte Anweisungen und aufgeregtes Stimmengewirr füllen die Regieräume: Gib mir einen Pegelton!, Kommt "Schnitt" definitiv nicht dran in der Prüfung?, Hast du das Band schon kodiert?, Wieviel muss ich über Digitaltechnik wissen? Hier üben die Mediengestalter und Editoren für den zweiten praktischen Prüfungsteil. Neben der selbstständig erstellten Arbeitsprobe müssen sie im Studio den Prüfern beweisen, dass sie das berufliche Handwerkszeug beherrschen, die einen Kamera, Ton und Licht, die anderen Schnitt und Bildmischung.

Im Herbst vergangenen Jahres haben bundesweit etwa 750 Azubis eine Lehrstelle in einem der beiden AV-Medienberufe gefunden, die meisten in kleinen und großen Privatsendern und Produktionsbetrieben. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten bieten nur etwa zehn Prozent der Plätze an. Fast alle Azubis fangen die Lehre nach dem Abitur an.

Viele hochspezialisierte Unternehmen zögern noch, Mediengestalter Bild und Ton auszubilden, weil sie nicht alle Themen vermitteln können. "Kleine Ausbildungsverbünde würden helfen", meint SRT-Dozent Günter Wenk. "So könnten zusätzliche Lehrstellen entstehen, etwa bei den privaten Radiostationen." Die Vorbehalte gegenüber einer Ausbildungskooperation in der AV-Branche groß, nicht nur in Bayern. Der Rückblick auf ihre drei Ausbildungsjahre fällt bei den Azubis ähnlich aus: Sie finden es richtig und gut, dass sie viel arbeiten müssen, besonders in den Kleinbetrieben. Die theoretische Ausbildung liegt aus ihrer Sicht bei Berufsschule und SRT. Die Berufsschule schneidet schlecht ab: Es fehle an Qualifikation und Motivation der Lehrkräfte; der Unterrichtsstoff sei überholt und zu techniklastig; auch die Abstimmung mit der SRT lasse zu wünschen übrig.

Zwei angehende Mediengestalter Bild und Ton, die bei einem regionalen Fernsehsender arbeiten, sind stolz darauf, Autodidakten zu sein und "vom ersten Tag an im Betrieb alles gemacht zu haben außer der Moderation: Ton, Kamera, Licht, Sendetechnik."

Ein Berufskollege aus einer kleinen Produktionsfirma hat sich den Umgang mit dem Schnittsystem und der Magnetaufzeichnungsmaschine (MAZ) hauptsächlich im Learning-by-doing-Verfahren angeeignet. Er setzte aber durch, dass ihn sein Ausbildungsbetrieb auf Zeit vorübergehend in ein befreundetes Unternehmen schickte, "damit ich in andere Bereiche - zum Beispiel Kameraassistenz - hineinschnuppern konnte." Eigeninitiative zählt.

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