Zeitung Heute : Medienberufe: Handwerk und soziale Orientierung

GZ

Der Beruf des Journalisten bildete sich eigentlich erst im 19. Jahrhundert heraus, davor war Journalismus bestenfalls eine nebenberufliche Tätigkeit. Auch die Massenpresse entstand erst zu dieser Zeit. Dadurch gelang es erstmals, alle gesellschaftlichen Schichten in den Kommunikationszusammenhang einzubinden. Journalismus wurde zu einer Art Industrie. Als dann Film, Radio und Fernsehen aufkamen, wurde die Frage immer dringlicher, ob Journalismus den Fluss von Informationen und Meinungen auch garantieren kann. Bald erkannte man, dass Massenkommunikation ihrer Natur nach eher eine Verteilung von Nachrichten ist - und weniger Kommunikation im eigentlichen Sinn, also Austausch von Information.

Was macht nun journalistische Kompetenz aus? Siegfried Weischenberg, Medienwissenschaftler an der Universität Münster, unterteilt die journalistische Kompetenz in drei Bereiche:

Fachkompetenz (A)

Vermittlungskompetenz (B)

Sachkompetenz (C).

Die instrumentellen Fähigkeiten, also das "Handwerk", die unter die Rubrik A fallen, beinhalten Recherche, Selektion sowie Organisation und Technik. Das journalistische Fachwissen, ebenfalls unter Rubrik A, untergliedert sich in allgemeine medienwissenschaftliche Kenntnisse sowie spezifisches Wissen in den Bereichen: Medienpolitik, Medienrecht, Mediengeschichte und Medientechnik.

Unter die Weischenberg-Rubrik B, also Vermittlungskompetenz, fällt die Artikulationsfähigkeit mit der themenorientierten oder auch rezipientenorientierten Präsentation. Die C-Rubrik schließlich betrifft das Orientierungswissen, also Kenntnis gesellschaftlicher Grundlagenfächer (Soziologie, Politik, Ökonomie) - zur Einordnung des Spezialwissens in Zusammenhänge. Ebenfalls unter C fallen Quellenkenntnis (Archive, Bibliotheken, Datenbanken) sowie die Kenntnis von Techniken wissenschaftlichen Arbeitens und nicht zuletzt die Kenntniss sozialwissenschaftlicher Methoden. Die Grundlage bildet die soziale Orientierung mit Funktionsbewusstsein, Reflexionsfähigkeit, Autonomiebewusstsein.

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