Zeitung Heute : Medienkaufleute

Daniela Martens

Knapp 280 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland. Und es kommen immer wieder weitere hinzu. Allein in diesem Jahr gibt es rund 20 neue und modernisierte Berufsbilder. Der Tagesspiegel porträtiert deshalb in einer Serie die spannendsten und zukunftsträchtigsten Berufe.

Es klingt nach Internet und 21. Jahrhundert: „Medienkaufmann/-frau Digital und Print“ heißt seit dem 1. August der Beruf, den vorher die Verlagskaufleute ausübten. „Es ist aber nicht nur der Name modernisiert worden“, sagt Inga Mohaupt. Sie bildet beim Cornelsen-Verlag sechs Medienkaufleute aus. Außerdem neun Verlagskaufleute – die Auszubildenden, die schon länger dabei sind.

„Das Berufsbild ist an die neue Technik und an neue Anforderungen angepasst worden“, sagt Mohaupt. Die Auszubildenden lernen unter anderem, die Homepage des Unternehmens mitzugestalten. Außerdem werden sie jetzt in einer Fremdsprache verstärkt geschult. Das kann Englisch, Französisch oder Spanisch sein. „Besonders wichtig ist uns, dass Selbstständigkeit gefördert wird“, sagt Mohaupt. Deshalb betreuen die Auszubildenden eigene Projekte, etwa im Marketing oder in der Redaktion. Darüber hinaus gehört auch die Planung von Veranstaltungen, wie Messen zum Ausbildungsalltag.

„All das beziehen wir im Cornelsen-Verlag schon lange mit in die Ausbildung ein“, sagt Mohaupt. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass die neuen Aufgaben auch in der Berufsverordnung festgehalten wurden. Besonders wichtig ist Mohaupt, dass die Lehrpläne an den Berufsschulen entsprechend umgestellt worden sind. „Jetzt greifen Theorie und Praxis besser ineinander.“

„Medienkauffrau ist insgesamt einfach besser als Verlagskauffrau“, sagt Hanna Lang mit Überzeugung. Sie wird seit dem 1. September von Inga Mohaupt ausgebildet. „Im Buchhandel und gerade in einem Schulbuchverlag geht es schließlich um verschiedene Medien, zum Beispiel auch ums Internet“, sagt die 19-Jährige, die wie alle Auszubildenden bei Cornelsen Abitur hat. In diesem Beruf haben aber auch Realschulabsolventen Chancen.

„Das Internet revolutioniert die Verlagswelt“, heißt es vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Dadurch entstünden neue Anforderungen an Verlagskaufleute. An diese habe man das Berufsbild angepasst. Neu sei, dass stärker auf Kommunikationsfähigkeit geachtet werde. Vor allem gehöre jetzt auch der Umgang mit Informations- und Kommunikationssystemen, Projektmanagement sowie Moderationen und Präsentationen zum Berufsbild. Jetzt qualifiziere die Ausbildung nicht nur für die Arbeit mit Zeitschriften und Büchern, sondern mit allen Digital- und Print-Produkten und Dienstleistungen, teilt der Bundesverband Druck und Medien mit. Im Wesentlichen orientiert sich das Berufsbild aber an den Kenntnissen und Fähigkeiten der bisherigen Ausbildungsordnung für Verlagskaufleute.

„Die Medienkaufleute können aber ganz anders eingesetzt werden“, sagt Inga Mohaupt. Vor allem im Umgang mit Kunden aus dem Ausland. Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bleibt weiterhin Marketing und Vertrieb. Um die Kunden kompetent beraten zu können, müssen sie etwas wissen über Entwicklung, Gestaltung und Herstellung der Medienprodukte und -dienstleistungen.

Schon nach einem Monat als Auszubildende ist Hanna Lang da auf einem guten Weg. Sie hat die meisten der Abteilungen im Cornelsen-Verlag im Schnelldurchlauf kennen gelernt, um sich erstmal ein Bild von ihren zukünftigen Aufgaben zu machen. Dabei hat sie herausgefunden: „Es ist ein besonders spannender und vielseitiger Beruf.“ Allerdings sollte man sich sowohl für Literatur, als auch für Mathematik begeistern. Daran hat sich nichts geändert.

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