Zeitung Heute : Medienmeile an der Elbe hängt Berlin ab

Vor zehn Jahren wurde das Internet in Deutschland noch als Spielplatz für Computerfreaks belächelt. Ende der 90er Jahre gehört der Anschluß zum weltweiten Datennetz bereits in fast jedes Unternehmen. Zugleich ist eine kaum noch überschaubare Zahl von Multimedia-Firmen entstanden, die Software, Internet-Auftritte und E-Commerce-Angebote für in- und ausländische Kunden entwickeln. Hunderte Kreative dieser Zukunftsbranche Informations-Technologie haben sich in Hamburg angesiedelt."Hamburg ist der wichtigste Newmedia-Standort in Deutschland, vor München, Köln und Berlin", urteilt der Chef des Internet- Anbieters AOL-Europe, Andreas Schmidt. Tatsächlich sitzen schon rund 750 Multimedia-Unternehmen mit etwa 15 000 Mitarbeitern in der Elbmetropole - und es werden wöchentlich mehr, weiß die Initiative "Hamburg Newmediawork", die gemeinsam von Unternehmen und der Stadt Hamburg zur Förderung der Branche ins Leben gerufen wurde. Die meisten Unternehmen beginnen als Ein- bis Fünf-Mann-Betriebe. Einigen gelingt ein rasanter Aufstieg und sie landen schon wenige Jahre nach ihrem Start an der Börse. Jüngstes Beispiel ist das Hamburger Online-Auktionshaus Ricardo.de, das 1998 gegründet wurde und in dieser Woche das Börsenparkett betritt."Viele Firmen arbeiten in ehemaligen Fabrikgebäuden oder in Lagerböden der Speicherstadt", sagt Uwe Jens Neumann von "Hamburg newmediawork". Da diese "Locations" geradezu ideal entlang der Elbe zu finden sind, habe sich am Hafenrand der City eine "Medienmeile" mit rund 70 Unternehmen, darunter die AOL-Europazentrale, entwickelt. Die Multimedia-Firmen in Hamburg sind auch hinsichtlich ihrer Nutzung Spitze: Jeder dritte Klick im deutschen Internet-Verkehr landet auf einem Angebot aus der Hansestadt. Fast jede Zeitschrift der Hamburger Verlage sei im Internet vertreten - und sechs der zehn meistgenutzten Web-Sites von Zeitungen und Zeitschriften kommen nach einer IVW-Statistik aus Hamburg. Während die Gründerwelle weitergeht, zeichnet sich in der Branche ein neuer Trend zu Fusionen und Kooperationen ab. Über Aufträge muß die Branche nicht klagen: E-Commerce und Internet-Nutzung stecken in Deutschland im Vergleich zu den USA in den Kinderschuhen. Arbeitslosigkeit ist in dem Bereich, der bundesweit etwa eine Million Menschen beschäftigt, offenbar ein Fremdwort. Überall ist zu hören: "Wir suchen händeringend Fachleute."

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