Zeitung Heute : Meer zum Anziehen

Der Sommer wird blau. Eine Modeliste – passend zu den Drinks, die am Pool warten.

INDIAN FLAME

Die Trommelgruppen-Fraktion kann sich freuen: Diesen Sommer ist Ethno angesagt. Oder besser „New Ethno“, nämlich der wilde Mix aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Mit einer ordentlichen Portion Indianerreservat, Beduinen-Style und orientalischem Schnörkel, dazu eine Prise Goa. Erlaubt sind Tunika- blusen aus luftiger Seide, Lederfransen, bodenlange Kaftans, Sarouel-Hosen mit extrem tief sitzendem Schritt. Gerne auch Federn zum Dranstecken. Und dazu Schnürsandalen aus braunem Wildleder oder eine schlichte Lederschnur als Stirnband. Holzarmreifen, Holzringe, geflochtene Gürtel und Basttaschen gehen auch. Eigentlich alles, was in den letzten Jahren im Eine-Welt-Laden so in den Regalen geblieben ist. Aber damit es jetzt nicht zu Verwechslungen kommt: Selbstgefärbte Batikshirts sind nicht Ethno, sondern auch weiterhin No No.

RUSTY NAIL

Passend zum Ethno-Trend sind die Erdfarben zurück. Vor allem Rostbraun und Ocker, sogar Umbra. Damit kann man sich bedenkenlos auf staubige Wiesen, Bürgersteige und Tennisplätze setzen, ohne dass man’s hinterher sieht. Außer, man hockt sich anschließend abends zu Hause auf den weißen Flokati.

FLOWER POWER

Die Hippie-Ära hat viel Fragwürdiges hervorgebracht. Das Konzept der freien Liebe, bewusstseinserweiternde Drogen, Jefferson Airplane. Aber ausgerechnet das Allerfragwürdigste erlebt diesen Sommer ein Comeback: Blumenmotive. Wahlweise bedruckt auf Kleider, Röcke und Stoffhosen. Sogar auf Jeansjacken. Das glaubt man erst, wenn man’s sieht. Schuld ist Nicolas Ghesquière, Chefdesigner von Balenciaga. Der Mann hat ganze Blumenwiesen in seine aktuelle Kollektion eingearbeitet, und andere machen es nach. Am besten, man kombiniert sein Blumenkind-Outfit mit Nietenarmreif oder metallisch glänzenden Schuhen, der Stilbruch wirkt Wunder. Und Achtung vor Spaßvögeln mit Gießkannen.

BLUE CURACAO

Das neue Schwarz heißt Blau – und ist die Grundfarbe der Saison, wenn es um Abendkleider und Röcke geht. Wahlweise in den Schattierungen Royalblau, Ultramarin, Azur- oder Ozeanblau. Aber nie mehr als zwei Nuancen gleichzeitig. Besser ist es, das Blau mit Gold und Silber zu kombinieren. Oder natürlich mit Schwarz. Für Kleider gilt übrigens: Tagsüber länger, abends kürzer.

SWIMMING POOL

Bei den Bademoden ist die Sache klar: 2008 wird das Jahr des Monokinis. Das brustbedeckende Bikinioberteil mit Höschen, beides entweder fest zusammengenäht, verknotet oder verknüpft, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Badeanzug mit ausgesparten Seitenteilen. Je großflächiger dabei das Nieren-Dekolleté, desto besser. Wer Rettungsringe verbergen möchte, bleibt beim klassischen Badeanzug. Der wirkt topmodisch, wenn man einen Stoffgürtel in derselben Farbe

drüber schnürt.

CARIBBEAN CRUISE

Klar zum Entern: Jean-Paul Gaultier hat die Freibeuter-Mode entdeckt. Was nicht heißt, dass man sich jetzt alles wahllos zusammenklauen kann. Gaultier hat sich von den Piraten aus „Fluch der Karibik“ inspirieren lassen und Jodhpur-Hosen, Camouflage-Drucke, weit schwingende Röcke in Vintage-Optik sowie Tops und Jacketts im Seemanns-Look miteinander kombiniert. Das hätte Jack Sparrow nicht besser gekonnt. Captain Jack Sparrow, natürlich.

KIR ROYAL

Auch feiner Tüll kann bombastisch wirken, wenn man nur genug Lagen übereinanderlegt. Oder noch besser: Wild zerknautscht zu einem voluminösen Abendkleid übereinanderhäuft. Dolce & Gabbana haben das auf die Spitze getrieben und mit Blumenmotiven kombiniert. Sieht majestätisch aus. Leider sind die Kleider so ausladend, da kommt niemand näher als einen Meter an einen heran. Ideal bei Soziophobie, Profilneurose und Mundgeruch.

RAINBOW GROG

Sportliche, enganliegende Oberteile und kurze Hosen werden in dieser Saison in knalligen Farben getragen – und zwar in allen, die sich im Regenbogen finden. Das erinnert an den Neontrend der frühen neunziger Jahre, hat aber nichts mit Rave zu tun.

KALTER KAFFEE

Im dritten Jahr seines Revivals ist das Palästinenser-Tuch endgültig auf dem Fünf-Euro-Grabbeltisch in der Vorortfußgängerzone angekommen. Das heißt: Die Lappen gehen gar nicht mehr. Nicht in Schwarz-Weiß. Nicht in Schwarz-Rot. Nicht mal in Gedanken.

BALL AND CHAIN

Der Gang des Sommers: leicht nach vorne gebeugt. Das liegt an den Accessoires des Sommers: Halsketten in Übergrößen, und zwar reichlich verziert und kiloschwer. Da können bunte Steine, Glas, Amulette, goldene Sterne, Kugeln oder Unmengen Strass dran baumeln. Nur eines darf Schmuck nicht sein: diskret, dezent. Auch Handtaschen werden dieses Jahr in XXL getragen. Egal ob Stoff, Plastik oder Leder – Hauptsache drei Nummern zu groß. Stellt sich die Frage, was man darin den ganzen Tag mit sich rumschleppt: Fotoalben, Laptops, die Mode vom letzten Sommer. Und selbst dann ist immer noch Platz.

DOUBLE FLIP

Die Handetasche muss lebendig sein? Mag sein, aber Bruce Darnells neueste Prophezeiung ist noch spektakulärer: Der Partnerlook ist rehabilitiert, ja er ist angeblich sogar sexy. Damit es nicht gleich nach Neckermann aussieht, sollte man sich aber nicht eins zu eins anziehen, sondern klug kombinieren. Zum Beispiel: Er trägt Streifenpullover zu ihrem Streifenrock, ihre Strumpfhose ist so blau wie sein Halstuch. Vorreiter in der Promiwelt sind Keira Knightley und ihr Lebensgefährte Rupert Friend. Trauen sich die beiden einmal nicht farblich abgestimmt auf die Straße, tippen die Klatschreporter gleich auf Beziehungskrise.

LE CRYSTAL

Transparenz ist nicht mehr anrüchig. Sofern man die durchsichtigen Materialien raffiniert einsetzt. Zum Beispiel als Layering mit undurchsichtiger Kleidung drunter. Chiffonkleider eignen sich besonders zum Drüberziehen. Dolce & Gabbana hat sogar einen transparenten knallgelben Regenmantel entworfen. Auch sexy: Nur einzelne Körperteile durchscheinen lassen, so kann man seine Vorzüge präsentieren und Bierbäuche, schlabbrige Oberarme oder peinliche Tätowierungen geschickt verschwinden lassen. Es gibt jetzt auch transparente Hochzeitskleider. Sehen sexy aus, nun muss man bloß einen toleranten Standesbeamten finden.

LADIES CHOICE

Männer gefallen in diesen Sommer in Streifen, egal ob längs oder quer. Jeans werden in ganz dunkel oder stonewashed-hell getragen, vor allem aber ohne Röhrenschnitt. Das ein oder andere Used-Loch ist gestattet. Bei Hemden gilt: Das oberste Knopfloch bleibt dieses Jahr grundsätzlich geschlossen, auch wenn der Rest des Outfits leger rüberkommt. Unifarbene Halstücher geben Männern einen verspielten Touch. Ganz Mutige – und Durchtrainierte – kaufen sich T-Shirts mit extrem geschnittenen V-Ausschnitt. Der endet erst auf halber Höhe zwischen Brust und Bauchnabel. Und Westen sind die neuen Pullunder – man trägt sie lässig ohne Jackett. Wer unbedingt etwas zum Drüberziehen braucht: Das Einknopfsakko ist wieder in Mode, zum Beispiel von Saint Laurent und Emporio Armani.

HIGH TOUCH

Ab sofort wird wieder auf Augenhöhe geküsst: Die angesagtesten Damenschuhe sind alle hochhackig und mit Absätzen, die man eigentlich keiner Frau zumuten darf. Auch bei den neuen silbrig glitzernden Schnür-Boots von Chanel sind Haltungsschäden keinesfalls auszuschließen. Aber dafür gucken vorne ganz neckisch die Zehen raus. Das geht natürlich nur, solange die Nägel nicht farbig lackiert sind.

MARY GO ROUND

Es darf gepunktet werden, sowohl auf Abendkleidern und Röcken als auch auf Hemdblusen fürs Büro. Große, eng aneinandergereihte Punkte wirken eher streng, unscharf verlaufende futuristisch. In allen Farben erlaubt. Außer in Windpocken-Rot.

ZOMBIE

Manche Kleidungsstücke sehen objektiv grässlich aus, und trotzdem kann offenbar niemand verhindern, dass sie alle paar Jahre zurückkehren. Der Ballonrock ist so ein Fall. Weil der Saum leicht zusammengezogen wird und alles darüber aufbläht, wirkt jeder Hintern darin automatisch breiter und klobiger als nötig. Das geht eigentlich nur im Dunkeln oder mit langem Mantel drüber. Und trotzdem wurde in New York letztens Ashley Olsen in so einem unförmigen Teil gesehen. Weil die nicht nur als Schauspielerin, sondern auch als Modeikone gilt, muss man für diesen Sommer das Schlimmste erwarten.

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