Zeitung Heute : Mehdorn soll den BER retten

Wowereit rechnet mit Spannungen, „die aber produktiv sind“ / Auch Merkel erwartet neuen Schwung.

Berlin - Hartmut Mehdorn hat als neuer BER-Chef die volle Unterstützung der drei Flughafen-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund eingefordert. „Ich bin kein unbeschriebenes Blatt und bekannt dafür, dass ich geradeaus gehe. Da müssen Sie mich jetzt auch aushalten“, sagte Mehdorn. Alle hätten ihm jedoch volle Unterstützung zugesagt, die er auch brauche – „Tag und Nacht“.

Mehdorn tritt seinen neuen Posten am Montag an und erhält einen Dreijahresvertrag. Über die Höhe seines Gehalts wurde Stillschweigen vereinbart. Mehdorn kündigte an, dass er verloren gegangenes Vertrauen in den künftigen Hauptstadtflughafen zurückgewinnen wolle. Das sei eine schwierige Aufgabe, für die er sich auch „Vorschusslorbeeren“ wünsche. „Ich kann nicht zaubern“, fügte Mehdorn hinzu. Einen neuen Eröffnungstermin nannte er nicht. Er wolle sich jetzt einen Überblick verschaffen und dann zügig vorankommen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können.“

Alle drei Gesellschafter beteuerten, dass man sich einhellig für Mehdorn entschieden habe. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hofft, dass Mehdorn neuen Schwung in das Projekt bringt. Er übernehme eine komplexe Aufgabe, die einer allein nicht schaffen werde, sagte sie in München. Nun müsse im Sinne einer guten Projektsteuerung alles auf den Tisch kommen, was verbessert werden muss. „Und ich kann nur jedem, der an dem Projekt mitarbeitet, eine glückliche Hand wünschen.“ Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) begrüßte die Entscheidung. „Ich bin sicher, Hartmut Mehdorn folgt auch ein Stück weit einer patriotischen Berufung, eine solche Herausforderung von nationaler Tragweite anzupacken und den BER zum Erfolg zu führen“, sagte er. Aufsichtsratschef Matthias Platzeck (SPD) betonte, dass Mehdorn viel „Berufserfahrung“ habe. Ihm sei das „Flugwesen nicht fremd“. Außerdem müsse man ihm die politische Gemengelage nicht erläutern und er wisse um die strukturellen und organisatorischen Herausforderungen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte, Mehdorn sei ein Mann mit Ecken und Kanten, die man ihm auch nicht abschleifen werde. „Hier wird es sicher Spannungen geben, die aber produktiv sind.“

Die Grünen kritisierten die Verpflichtung Mehdorns. „Ein Fachmann wäre für den BER besser gewesen“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüne). Auch die Liberalen reagierten zurückhaltend. „Hartmut Mehdorn kann Führung und harte Hand, er kennt sich mit Fluggesellschaften aus, aber ob er das Chaos am BER wirklich richten kann, das muss man erst noch sehen“, sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring. Sicher sei: „Er allein kann das Projekt nicht retten.“

Hartmut Mehdorn war langjähriger Bahn-Chef. 2011 wurde er Vorstandsvorsitzender der Fluggesellschaft Air Berlin. Diesen Posten legte er Anfang des Jahres nieder. Mehdorn folgt damit auf dem Geschäftsführerposten beim BER Rainer Schwarz, der nach der neuerlichen Eröffnungsverschiebung im Januar entlassen worden war.

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