Zeitung Heute : Mehr als gut

Jan Dirk Herbermann[Genf]

Vor der Genfer UN-Geberkonferenz hat Colin Powell davor gewarnt, die Flutregionen mit „Geldern und Lieferungen zu überschwemmen“. Was muss passieren, damit die Spenden nicht ihren Zweck verfehlen?

Es könnte auch zu viel des Guten sein. Das ist der Eindruck, der angesichts der Worte von US-Außenminister Colin Powell zur Fluthilfe entstehen kann. Er forderte einen gezielten Einsatz der Spenden: „Wir dürfen die Regionen nicht mit Geldern und Lieferungen überschwemmen, die nicht unbedingt notwendig sind“, sagte Powell dem Sender CNN. Andere dürften nicht vergessen werden. „Sei es in Kongo, in Darfur, in Liberia oder in Haiti“, sagte Powell.

Die Gefahr, dass Spenden geleistet werden, die vor Ort nicht gebraucht werden, besteht. Die UN stehen vor der Aufgabe, sicherzustellen, dass die Mittel sinnvoll gegeben und auch genutzt werden. Es könnten sogar Überschüsse anfallen. Prinzipiell kann das Geld später in andere Regionen wie Afrika fließen. Nötig wäre das. Eine interne UN-Aufstellung zeigt: 2004 gingen nur 60 Prozent der benötigten Gelder für Katastrophenhilfe ein.

Heute sollen in Genf Vertreter der Geberländer die Mittel für den UN-Hilfsappell von 977 Millionen Dollar bereitstellen. „Die Gelder für den Hilfsappell brauchen wir sofort“, mahnt der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland. Oder, wie es seine Sprecherin Elizabeth Byrs sagt: „Die Regierungen haben die Nummer des UN-Kontos, jetzt müssen sie überweisen.“ Nach dem Plan der UN soll in den nächsten sechs Monaten mit den 977 Millionen Dollar die gröbste Not an den betroffenen Küsten des Indischen Ozeans gelindert werden. Zwei Millionen Menschen brauchen Nahrung, Straßen müssen repariert werden, verzweifelte Fischer brauchen neue Boote.

Die UN wiesen den Hilfswerken konkrete Aufgaben zu. Der Koordinierungsplan, den die UN in Jakarta veröffentlichten, gleiche einem „Präzisionsinstrument“, sagen Diplomaten.

„Wir wollen nicht, dass tausend Organisationen versuchen, Dinge in Krisenregionen wie Aceh zu senden“, sagt UN-Koordinator Egeland. „Das wäre eine Katastrophe in der Katastrophe.“ Beispiele gut gemeinter Hilfe, die kontraproduktiv sind, nennt das Welternährungsprogramm (WFP). Es sei wenig sinnvoll Lebensmittel aus Europa und den USA zu verschiffen, erklärt Simon Pluess vom WFP: „Die Transportkosten sind in der Regel höher als die Kosten für die beförderten Lebensmittel“. In Asien könne man genug kaufen, und die Nahrung sei besser geeignet, als die aus Übersee. Lebensmitteltransporte könnten per Schiff Wochen dauern. Generell sei von Sachspenden abzuraten.

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