Zeitung Heute : Mehr als nur Grundlagen am Georg-Forster-Gymnasium

Kurt Sagatz

Hat man sich erst einmal daran gewöhnt, kommt man ohne kaum noch aus. So geht es auch Physiklehrer Frank Tischler, der sich viele Versuchsaufbauten ohne Computerunterstützung mittlerweile nicht mehr vorstellen kann. Obwohl es sich bei dem 286er im Physikraum um den ältesten Rechner an der Georg-Forster-Oberschule in Lichtenberg handelt, leistet er wertvolle Dienste bei der Auswertung von Versuchsreihen und der grafischen Darstellung der Ergebnisse.

Ein Beispiel: Im Unterricht werden die Eigenschaften von Kondensatoren untersucht. Im anschließenden Versuch müssten die Ergebnisse normalerweise mühselig per Hand notiert und später auf Linienpapier übertragen werden, um die charakteristische Kurvenfunktion von Auf- und Entladung des Kondensators darzustellen. Ein Großteil der Stunde wird somit vertan. Anders bei der Computernutzung. Direkt während des Versuchs zeichnet der PC die Messergebnisse auf und auch die Darstellung erfolgt in Sekunden.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Mathematik-Lehrerin Undine Elias gemacht. Derzeit behandelt sie mit der Oberstufe die Bewegungen der Planeten. An die Stelle der Wandkarte ist inzwischen der "Demolux" getreten - ein Projektor, der anstelle einer Folie ein Computerbild an die Wand wirft. Im konkreten Beispiel hat ein Schüler per Demolux das Programm WinFunction aufgerufen und lässt nun eine Simulation der Planentenbewegung ablaufen. In geraffter Form zieht die Sonne ihren Jahreslauf in wenigen Minuten. Selbst komplizierteste Phänomene wie die Planetenschleifen werden auf Anhieb anschaulich und können anschließend mit einer zweiten Simulation auch theoretisch untermauert werden.

Die Ost-Berliner Schule ist sicherlich in einer beneidenswerten Situation. Neben Demolux und Physik-Rechner verfügt die Oberschule über drei Computerräume. In den beiden älteren Computerkabinetten findet unter anderem das Fach "Informationstechnische Grundbildung" - kurz ITG - statt. Im Gegensatz zu vielen anderen Schulen gehört ITG bereits zum Stundenplan der 7. Klasse und wird nicht erst in der 9. Klasse unterrichtet. Auf den alten 386er laufen überdies noch alte DOS-Programme wie zum Beispiel "Mathe Ass", die zwar grafisch nicht auf der Höhe der Zeit sind, mit denen aber mathematische Berechnungen genauso exakt ausgeführt werden können wie mit den schönsten Multimedia-Computern.

Die 15 neuen Computer mit den großen Bildschirmen und den integrierten Lautsprechern werden folgerichtig auch für andere Aufgaben eingesetzt. So zum Beispiel für den Chemie-Leistungskurs. Selbst komplexeste Vorgänge auf Molekülebene lassen sich auf den neuen Rechner visualisieren. Gleichwohl stellt eine Simulation immer nur eine virtuelle Realität her, die echte Schülerversuche nicht ersetzen kann. Immerhin lässt sich am Kittel von Chemielehrer Hermann Stohmann schnell erkennen, dass in Lichtenberg der Computer das Reagenzglas nicht verdrängt hat. Weniger spektakulär, doch genauso hilfreich wie im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich ist der Einsatz der neuen Techniken in den geisteswissenschaftlichen Fächern, wie Schulleiter Volkmar Knop betont. Ob nun Fremdsprachen, Politik, Geschichte, Erdkunde - über das Internet kann zu jedem Thema sinnvoll recherchiert werden.

Schön, dass dies auch vom Bezirksamt so gesehen wird, denn die ISDN-Anbindung der Internet-Rechner wird genauso vom Bezirk Lichtenberg finanziert wie die Druckerpatronen.Georg-Forster-Gymnasium im Internet: http:// ods.schule.de/schulen/forster

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