Zeitung Heute : Mehr Auto für weniger Geld

Ingo Dahlern

Wenn man sie so nebeneinander stehen sieht, die vier Generationen des VW Polo, dann sieht man auf den ersten Blick, wie viel ein Vierteljahrhundert Automobilentwicklung verändert hat. Denn insbesondere der erste Polo, vor 25 Jahren als VW-Variante des damaligen Audi 50 auf den Markt gebracht, ist aus heutiger Sicht doch eine recht bescheidene Blechliesel - ein klassischer in Technik und Ausstattung auf das Notwendigste beschränkter Kleinwagen der alten Schule.

Solche Kleinwagen gibt es schon längst nicht mehr. Und spätestens mit der dritten Generation war auch der Polo erwachsen geworden, hatte sich zu einem zwar kompakten aber in Technik und Ausstattung und auch den Fahrleistungen den nächsthöheren Klassen ebenbürtigen familien- und reisetauglichen Alltagsauto entwickelt. Schon damals war er auch erheblich gewachsen, längst in der nächsthöheren Klasse angelangt. Und gewachsen ist er auch bei der neuesten Generation noch einmal. Denn mit einer Länge von nun 3,90 Meter, einer Breite von 1,65 Meter und einer Höhe von knapp 1,47 Meter übertrifft der Polo mit seinem Radstand von 2,46 Meter längst die Dimensionen der ersten Golf-Generation und erreicht bereits die der zweiten. Aus dem einstigen Stadtauto ist damit endgültig ein vollwertiges Familienauto geworden, mit dem man problemlos auch auf große Tour gehen kann. Und dabei muss man bei der Bequemlichkeit keine großen Kompromisse machen. Denn nicht nur Fahrer und Beifahrer können es sich im neuesten Polo ausgesprochen bequem machen, sondern auch die Hinterbänkler, denen der um gut fünf Zentimeter gewachsene Radstand spürbar mehr Kniefreiheit beschert - genau gemessen sind es 63 Millimeter. Und auch um die Unterbringung des Gepäcks muss man sich keine allzu großen Gedanken machen, denn der Laderaum fasst 270 Liter und lässt sich bei Bedarf auf bis zu 1030 Liter erweitern.

Doch der neue Polo ist nicht nur rundum größer, sondern hat zugleich einen Sprung auf ein neues Qualitätsniveau gemacht. Das zeigt die hochwertige Innenausstattung, die nicht nur mit anspruchsvollem Design sondern mit hochwertigen Materialien und Oberflächen und einer ebenso hochwertigen Verarbeitung überzeugt. Dieses hohe Qualitätsniveau gilt zugleich für die gesamte vollverzinkte Karosserie des Polo, das Fahrwerk und auch die die Komfort- und Sicherheitsausstattung. Allerdings darf man dabei nicht übersehen, dass das Basismodell trotz guter Ausstattung ein paar Lücken zeigt - etwa die ungeteilte Rückbank, die ungeschäumte Armaturentafel, den fehlenden vorderen Becherhalter und die fehlende Easy-Entry-Funktion beim Zweitürer. Andererseits sind mit vier Airbags, Kopfstützen vorne und hinten, der elektrohydraulischen Servolenkung und dem ABS sowie den Isofix-Kindersitzbefestigungen auch im Basismodell schon wichtige Sicherheits- und Komfortdetails zu finden, was angesichts des unveränderten Einstiegspreises von 21954 DM gegenüber dem Vorgänger sogar einen Preisvorteil von rund 2000 DM bedeutet. Und auch bei den übrigen Motorisierungsstufen zahlt man, verglichen mit dem Vorgänger, zwischen 1000 und 1500 DM weniger, bekommt als mit dem neuen Polo tatsächlich mehr Auto fürs Geld.

Insgesamt sieben Motoren stehen für den von Beginn an zwei- und viertürig verfügbaren neuen Polo zur Wahl, darunter vier Benziner und drei direkt einspritzende Diesel. Und schon im nächsten Jahr wird Volkswagen mit dem 1,4-Liter-FSI-Motor auch einen direkt einspritzenden Benziner einführen. Zum Marktstart gibt es aus der Polo-Motorenpalette drei Triebwerke. Ganz neu unter diesen ist der 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit einer Leistung von 47 kW (65 PS). Er ist die Vierventilversion des künftigen

1,2-Liter-Dreizylinder-Basistriebwerks mit zwei Ventilen und einer Leistung von 40 kW (55 PS).

Diese Dreizylinder sind regelrechte High-Tech-Motoren, die bei ersten Probekilometern nicht nur durch ihren kraftvollen Anzug, sondern vor allem ihre Laufruhe überzeugten. Denn Volkswagen hat diesem Aggregat eine gegenläufige Ausgleichswelle spendiert, die die sonst bei Dreizylindern so störenden Vibrationen praktisch eliminiert. Zu den weiteren Vorzügen dieser kleinen Motoren gehören ihr geringer Verbrauch von durchschnittlich nur 5,9 l/100 km und ihre niedrigen Emissionen - sie erfüllen, wie auch die übrigen Benziner, die Abgasnorm EU4.

Kleinster Vierzylinder unter den Benzinern ist der 1,4-Liter-Vierventiler mit einer Leistung von 55 kW (75 PS), der sich sowohl anzugsstark als auch elastisch gibt, den kleinen Polo binnen 12,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 172 km/h erreichen lässt und mit durchschnittlich 6,4 l/100 km ebenfalls alles andere als durstig ist. Diesen Motor gibt es nicht nur in Verbindung mit dem Fünfgang-Schaltgetriebe, sondern auch kombiniert mit einer Viergang-Automatik.

Im nächsten Jahr erhält die Benziner-Palette mit dem 1,4-Liter mit einer Leistung von 74 kW (100 PS) ist künftiges Top-Modell, das 188 km/h schnell ist, binnen 10,9 Sekunden Tempo 100 erreicht und nur 6,9 l/100 km verbraucht. Richtige Sparmeister sind allerdings die drei Diesel - neben dem bewährten Saugdiesel (SDI) mit 47 kW (64 PS), der durchschnittlich 4,7 l/100 verbraucht, die beiden Turbodiesel (TDI) mit Pumpe-Düse-Hochdruckeinspritzung. Einen überzeugenden Eindruck hinterließ bei den ersten Proberunden mit dem neuen Polo der 1,4-Liter-Dreizylinder, der 55 kW (75 PS) leistet, als einer der wenigen Diesel auf dem deutschen Markt die Abgasnorm D4 erfüllt und mit 4,5 l/100 km besonders sparsam ist. Trotzdem erreicht der Polo mit diesem Motor binnen 13,6 Sekunden Tempo 100 und bis zu 170 km/h. Und richtig sportlich gibt sich der neue Polo mit dem 1,9-Liter-TDI mit einer Leistung von 74 kW (100 PS), denn in nur 10,7 Sekunden erreicht er Tempo 100 und maximal Tempo 188. Trotzden ist der mit

4,9 l/100 km ausgesprochen sparsam.

Mit diesem sportlichen Diesel konnte der neue Polo, der auf der Plattform aufbaut, auf der auch der Skoda Fabia steht, die hohen Qualitäten seines Fahrwerks demonstrieren, zeigen, dass man dieses Auto auch bei flotter Fahrt jederzeit sicher im Griff hat und zugleich bestätigen, dass auch die Komfortansprüche nicht zu kurz kommen. Und für den Fall des Falles ist auch die Fahrdynamikregelung ESP verfügbar, die für die Modelle ab 74 kW (100 PS) sogar Serienausstattung und sonst als Option verfügbar ist. Rundum ein Auto, das optisch, technisch, mit seinen Fahrleistungen und seiner Ausstattung überzeugt und damit alle Voraussetzungen mitbringt, wie schon die in insgesamt sieben Millionen Exemplaren gebauten Vorgänger wieder ein Bestseller im VW-Programm zu werden.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Zwei- und viertürige Steilhecklimousine.

Maße/Gewichte: 3,90 m lang, 1,65 m breit 1,47 m hoch, Radstand 2,46 m, Leergewicht 1002-1165 kg, Zuladung 542-552 kg, Kofferraum 270-1030 l, Tankinhalt 45 l.

Antrieb: Benziner: 1,2-l-Dreizylinder 6V mit 40 kW (55 PS) und 12V mit 47 kW (65 PS)

1,4-l-Vierzylinder 16V mit 55 kW (75 PS) und 74 kW (100 PS). Direkt einspritzende Diesel: 1,9-l-Vierzylinder-Saugmotor mit 47 kW (64 PS), 1,4-l-Dreizylinder-Turbodiesel mit 55 kW (75 PS) und 1,9-L-Turbodiesel mit 74 kW (100 PS), Fünfgang-Schaltgetriebe, Viergang-Automatik (für den 1,4-l-Benziner mit 55 kW), Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit McPherson-Federbeinen, hinten Koppellenkerachse, elektrohydraulische Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vorn Scheiben-, hinten Trommel- oder Scheibenbremsen, ABS, ab 74 kW ESP mit Bremsassistent.

Fahrleistungen: 10,9-17,5 s von Null auf Tempo 100, 142-188 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 4,5 - 7,4 l/100 km.

Preise: Benziner: Einstiegspreis 21954 DM (11225 Euro) bis 31293 DM (16000 Euro), Diesel von 25686 DM (13225 Euro) bis 33689 DM (17225 Euro).

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