Zeitung Heute : Mehr Bahn für Berlin

Pünktlich zur Fußball-WM werden der neue Zentralbahnhof und der Nord-Süd-Tunnel in Betrieb genommen – Zugverbindungen werden dadurch häufig schneller und besser

-

Von Bernd Hops Für die Deutsche Bahn wird der Standort Berlin in diesem Jahr noch wichtiger. Umzugs- und Bahnhofsdebatten hin oder her: Zum Fahrplanwechsel am 28. Mai werden aus Großbaustellen neue Bahnhöfe und Strecken. „Wir haben jahrelang gebaut. Jetzt sind wir so weit, dass wir es umsetzen können“, sagt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. Bisher sieht alles so aus, als wenn die Bahn pünktlich sein wird. „Bei den Abnahmeverfahren sind wir voll im Zeitplan“, versichert Ahlert. Parallel läuft dieAusbildung des Personals. Lokführer müssen mit den neuen Strecken vertraut gemacht werden, bevor sie darauf fahren dürfen.

Der Konzern erhofft sich durch die Neuerungen einen enormen Schub bei den Fahrgastzahlen. Bis 2010 sollen es allein im Fernverkehr statt der aktuell 13 Millionen pro Jahr 19 Millionen werden. Im Regional- und S-Bahn-Verkehr wird ebenfalls mit mehr Kunden gerechnet. Das bedeutet wiederum zusätzliche Arbeit. Beim Service zum Beispiel – darunter fallen die Bahnsteigaufsicht oder die Beratungsstellen „Service-Points“ – schätzt Unternehmenssprecher Ahlert den Zuwachs für die Hauptstadt auf 20 bis 25 Prozent.

Schon heute ist die Deutsche Bahn zusammen mit ihren Töchtern DB Regio und S-Bahn Berlin der größte unternehmerische Arbeitgeber der Region. In der Hauptstadt sind bei dem Konzern etwa 19 000 Menschen beschäftigt, in Brandenburg rund 9000. Gut 3300 Kilometer Schienenwege werden betrieben und mehr als 4500 Personenzüge täglich bewegt. Seit 1995 wurden etwa zehn Milliarden Euro in Berlin von der Bahn verbaut – zum größten Teil öffentliche Mittel, aber auch 1,5 Milliarden Euro eigenes Geld. Demnächst geht das Bauen weiter – nämlich beim Ostkreuz.

Zentraler Bestandteil der aktuellen Neuerungen sind der neue Hauptbahnhof und der Nord-Süd-Tunnel. Außerdem werden die neu gebauten Stationen Südkreuz, Potsdamer Platz, Gesundbrunnen und Lichterfelde Ost in Betrieb genommen. „Wir haben dann eine vollkommen neue Infrastruktur“, sagt Ahlert.

Das bedeutet außerdem: neue Fahrpläne. „Die Auswirkungen werden bundesweit spürbar sein“, sagt der Bahnsprecher. 439 Halte von Fernverkehrszügen wird es dann täglich in Berlin geben – 13 Prozent mehr als bisher. Den Berlinern, die über die Herabstufung des Bahnhofs Zoos wütend sind, bietet die Bahn etwas Trost. „Durch den neuen Nord-Süd-Tunnel wächst die Zuverlässigkeit, weil wir flexibler in der Streckenführung werden. Bisher müssen wir ausschließlich durch das Nadelöhr Stadtbahn fahren“, sagt Ahlert.

Außerdem brauchen die Fernverkehrszüge auf vielen Strecken deutlich weniger Zeit als bisher, rechnet der Bahnsprecher vor. Nach Leipzig braucht man künftig 70 Minuten, 40 Minuten weniger als heute. Bis nach Stralsund wird es 160 Minuten dauern – ebenfalls eine Verbesserung von 40 Minuten. Auch regionale Verbindungen sollen besser werden. Vom Potsdamer Platz bis Luckenwalde dauert die Reise heute 66 Minuten. In Zukunft werden es 36 Minuten sein. Bei Eberswalde liegen die entsprechenden Werte bei 61 und 37 Minuten.

Bereits die deutlich schnellere Verbindung Richtung Hamburg, die vor gut einem Jahr in Betrieb genommen wurde, hatte der Bahn 30 Prozent mehr Fahrgäste auf der Strecke beschert. Im Schnitt sind die Züge zu mehr als 50 Prozent ausgelastet – im Fernverkehr insgesamt liegt die Zahl bei etwa 43 Prozent. Auch die Spätverbindungen bleiben bestehen, versichert die Bahn, auch wenn man sich dort durchaus noch bessere Zahlen vorstellen könnte.

Der neue Hauptbahnhof wird aber nicht nur zusätzliche Angebote bedeuten – er wird auch Bewegung in die Belegschaft bringen. Die Bügeltürme, die zu dem Gesamtensemble gehören, sind bis heute noch nicht vermietet. Die Überlegungen, mit der Zentralverwaltung des Konzerns dort einzuziehen, werden wieder konkreter. Jedenfalls hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit Bahnchef Hartmut Mehdorn so jüngst verstanden, auch wenn das Unternehmen das so nicht bestätigen wollte. Erst vor einem Jahr hatte die Bahn einen ganzen Komplex neuer Bürogebäude am Nordbahnhof eröffnet und dort eine ganze Reihe von Einzelverwaltungen zusammengezogen. „Die Tendenz dazu geht weiter“, heißt es im Konzern, auch wenn es derzeit keine konkreten neuen Projekte gebe.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben