Zeitung Heute : Mehr Durchblick für Fondssparer

Rund 6000 Produkte werden derzeit in Deutschland verkauft – doch das Angebot wird übersichtlicher

Klaus Mühlbauer

Zwei Schlaglichter vorneweg: Nach der Studie einer führenden deutschen Investmentgesellschaft waren Fonds, die schon lange am Markt etabliert sind, die Absatzrenner; die Anleger bevorzugten sie mehr als doppelt so stark wie neu aufgelegte Produkte. Das andere Schlaglicht: Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) werden selbständige und unabhängige Anlageberater ihren Anteil am Fonds-Markt in den kommenden acht Jahren um fast 40 Prozent steigern.

Der Befund beider Untersuchungen ist kaum überraschend: In unruhigen Zeiten wie diesen sucht der Anleger eben nach sicheren Ankern in Form bewährter Produkte einerseits und unabhängiger und individueller Beratung andererseits. Für Verunsicherung sorgen indes nicht allein die Skandal-Nachrichten aus den USA; für den privaten Anleger wird es auch zunehmend schwieriger, den Überblick zu behalten. Noch nie wurden in Deutschland so viele Investmentfonds zum Kauf angeboten wie derzeit, die Zahl liegt aktuell bei rund 6000 Produkten; und noch nie herrschte gleichzeitig so viel Bewegung in der Fondsbranche. Während in den Jahren der Börsenhausse die Zahl der Anbieter stetig wuchs und immer neue Vertriebskanäle hinzukamen, erwarten Fachleute in den kommenden Jahren eine Konsolidierung, wie sie auch in anderen Branchen längst im Gange ist. Und wie in anderen Branchen auch, wird der Markt am Ende geprägt sein von einer Hand voll sehr großer Anbieter und einigen kleineren Gesellschaften, die sich dank eines starken eigenen Profils von der Konkurrenz abheben. Für den Anleger also eine durchaus positive, weil Klarheit schaffende Entwicklung.

Performance ist nicht alles

Was aber macht das unverwechselbare Profil einer Investmentgesellschaft aus? Zu Recht erwarten Anleger eine überdurchschnittliche Verzinsung ihres angelegten Geldes bei überschaubaren Risiken und geringen Kursschwankungen. Über die Wertentwicklung von Fonds über lange Zeiträume hinweg – und nur die Langzeitbetrachtung hat substanziellen Aussagewert – finden Anleger in Fachzeitschriften oder auch wöchentlich im Tagesspiegel detaillierte Angaben. Mindestens ebenso wichtig sind aber die Ratings renommierter Agenturen, weil ihre qualitativen und quantitativen Analysen entscheidende Hinweise für die zukünftige Entwicklung der Fonds liefern. Fondsprodukte ohne sehr gutes Rating werden in Zukunft kaum noch zu verkaufen sein.

Profil gibt ein klarer Investmentansatz. Fondsgesellschaften, die sich als Experten für jeden Kontinent, jedes Land und jede Branche ausgeben, sind in der Gefahr, bald als Gesellschaft für jede Anlagemode zu gelten. Gefragt ist Angebotsdisziplin statt Angebotsallerlei.

Zur Übung für Anleger: Beschreiben Sie die Kernkompetenz ihrer Fondsgesellschaft in wenigen Sätzen. Wer dabei ins Grübeln kommt oder gar kein Ende mehr findet, ist möglicherweise beim falschen Anbieter.

Die Liberalisierung der Rechtslage erlaubt es Investmentgesellschaften zunehmend, wesentliche Teile ihres Angebots bis hin zum eigentlichen Fondsmanagement auszugliedern. Dieses Outsourcing mag sich zwar kostensenkend für die Investmentfirma auswirken, konfrontiert den Anleger aber mit Fragen, die ans Eingemachte gehen: Wer managt den Fonds wirklich? Segelt die Gesellschaft schon unter fremder Flagge – womöglich ohne Wissen des Anlegers? Zur Vertrauensbildung bei den teilweise verunsicherten Anlegern tragen solche Lösungen bestimmt nicht bei. Das Gefühl der Sicherheit können den Kunden am besten solche Fondsgesellschaften geben, die das ihnen anvertraute Geld vollständig im eigenen Haus verwalten und dafür alle notwendigen Ressourcen bereitstellen. Dazu gehören nicht nur erfahrene Portfoliomanager, die vor dem Kauf eines Papiers eine Fundamentalanalyse des betreffenden Unternehmens anstellen und zusätzlich die detaillierte Beurteilung der jeweiligen Branche und des jeweiligen Wirtschaftsraums liefern können; auch nach der Entscheidung für einen Titel müssen bei der Gesellschaft selbst starke Research- und Analysekapazitäten vorhanden sein.

Marke gegen „no names“

Wer im härter werdenden Markt der Investmentgesellschaften bestehen will, benötigt mehr denn je einen eingeführten Namen, ein Gesicht und eine Geschichte, die positive Assoziationen beim Kunden wecken. Er muss das Fondsprodukt als seriöses und zuverlässiges Markenprodukt wiedererkennen. Nur unter diesen Voraussetzungen haben Fondsanbieter die Gewähr, von den nach Orientierung suchenden Anlegern überhaupt wahrgenommen zu werden. „No names“ unter den Investmentgesellschaften mit einem austauschbaren Erscheinungsbild (und durchschnittlichen Produkten) werden kaum noch eine Zukunft haben.

Der Markt für Finanzprodukte ist ein Käufermarkt und Service deshalb der entscheidende Erfolgsfaktor. Die Trennlinie zwischen exzellentem und mittelmäßigem Service verläuft deshalb nicht selten zwischen inländischen und ausländischen Anbietern: Während deutsche Fondsgesellschaften oft noch stark von der Bankenmentalität geprägt sind, aus der sie kommen, bemühen sich ausländische Kapitalanlagegesellschaften intensiv sowohl um einen leistungsfähigen Service für die Anleger als auch um eine erstklassige Betreuung ihrer Vertriebspartner. Immer seltener lassen sich Anleger mit den Fondsangeboten ihrer Hausbank abspeisen. Kompetente und individuelle Beratung ist deshalb der Kern einer guten Serviceleistung. Zugegeben, kein aufregender Befund. Aber ein aktueller: Er deckt sich mit der vom Bundesverband BVI prognostizierten zunehmenden Bedeutung unabhängiger Anlageberater.

Der Autor ist Leiter Broker/Sales der Pioneer Investments Deutschland

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