Zeitung Heute : Mehr Hotelbettten warten auf weniger Gäste

Der Tagesspiegel

Von Christian van Lessen

Mit rund 10 000 geplanten Betten ist der Hotelmarkt in heftiger Bewegung, und so manches Top-Projekt droht wegen der kritischen Lage auf dem Touristikmarkt zum Flop zu werden. Das Interconti fühlt sich auf der sicheren Seite und feiert heute an der Budapester Straße das Richtfest für einen Anbau. Am Dienstag beginnt Mövenpick am Tempodrom mit dem Umbau eines Altbaus zum Hotel. An der Gertraudenstraße in Mitte wächst ein weiteres Novotel heran, und Mercure öffnet demnächst am Gleisdreieck. An der Stauffenbergstraße aber hat der vor einem Jahr angekündigte Bau eines 500-Zimmer-Maritim-Hotels noch nicht begonnen, weil die Viterra als Bauherrin noch einen „End-Investor“ sucht, der das künftige Bauwerk kaufen will. Auch das Estrel ist mit den Plänen für ein Monopol-Luxushotel an der Nürnberger Straße nicht sichtbar vorangekommen. Im letzten Sommer sollte der Umbau der ehemaligen Senatsfinanzverwaltung beginnen. Estrel wollte gestern lediglich mitteilen, dass „die Planungen laufen“.

Die Aussichten für neue Hotelprojekte warem schon besser, und bald könnten immer mehr Betten auf immer weniger Gäste warten – wenn sich an den mageren Touristenzahlen nichts ändert. Das Interconti wirft mit seinem Anbau an der Budapester Straße demnächst 54 Zimmer und Suiten auf den Markt, Mövenpick nach dem Umbau eines ehemaligen Siemensgebäudes und Finanzamtes an der Schöneberger Straße 250 Zimmer, die Mercure-Kette an der Luckenwalder Straße gegenüber dem U-Bahnhof Gleisdreieck 130 Zimmer.

Sollten alle in Berlin geplanten Hotels – etwa auch in der Umgebung des Messegeländes – verwirklicht werden, dürfte sich die Zahl der Betten in zwei bis drei Jahren auf 70 000 erhöhen, erwartet Karl Weißenborn vom Hotel- und Gaststättenverband. Im Moment sei zwar der Bedarf bei einer durchschnittlichen Auslastung von 50 Prozent im vergangenen Jahr (2000: 51,4 Prozent) mehr als gedeckt, doch Berlins Potenziale als Touristen-, Kongress- und Tagungsstadt dürften „bei weitem noch nicht ausgeschöpft“ sein. Die meist international arbeitenden Hotelketten planten auf lange Sicht und mit langem finanziellen Atem, sagte Weißenborn.

Zu den sichtbaren Hotelvorhaben gehört der von der Deutschen Immobilien Fonds AG (Difa) errichtete Erweiterungsbau des Inter-Conti, der die Budapester Straße baulich rahmt und die Lücke zum Katharina-Heinroth-Ufer am Landwehrkanal schließt. Das neue Hotel ist auch städtebaulich interessant, weil es eine optische Verbindung zwischen der City West und den neuen Bauten des Tiergarten-Dreiecks schafft. Während der Hotel-Erweiterung wird übrigens die denkmalgeschützte Schachbrettfassade des einstigen Hilton modernisiert.

Zum Dauer-Flop ist dagegen der seit langem geplante Umbau des „Haus Cumberland“ am Kurfürstendamm geraten. Seit bald 20 Jahren ist der Umbau des Hauses, in dem die Finanzbehörden residierten, zum Luxushotel mit mehreren hundert Zimmern im Gespräch. Vor fast zwei Jahren schien endlich eine Lösung gefunden, die Fundus-Gruppe hatte die Ausschreibung gewonnen und wollte in dem einst als Apartmenthaus konzipierten Gebäude ein „Adlon des Westens“ einrichten. Mit dem Projekt wäre vermutlich längst begonnen worden, hätte sich die Lage auf dem Markt für Spitzenhäuser speziell nach dem 11. September nicht so verschärft. Vor allem die Touristen aus den USA blieben aus. Die Fundus-Gruppe, die als Betreiber Kempinski vorgesehen hatte, musste sich überraschend nach einem neuen Partner umsuchen. Es fand sich keine Lösung, die auch die Banken befriedigt hätte. Das Geschäft mit Bund und Land als Grundstückseigentümern platzte Ende vergangenen Jahres.

Das Areal wurde für den Umbau zum Luxushotel neu ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endet mit dem heutigen Tag. Nach Auskunft der Bundesvermögensverwaltung sind überraschend viele Angebote eingegangen. Man entscheide „objektbezogen und nach Höchstpreis“.

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