MEHR INFOS : Früher allein, heute online Per Selbsttest den eigenen Lerntyp finden

Inzwischen muss niemand mehr vor dem PC vereinsamen. Man sieht sich – wenn auch nur im Internet

Hallo Leute! Viele Fernlerner besuchen ihre Seminare online und diskutieren in Foren und Chatrooms mit Dozenten und Kommilitonen. Foto: FernUniversität/Veit Mette/dpa/tmn
Hallo Leute! Viele Fernlerner besuchen ihre Seminare online und diskutieren in Foren und Chatrooms mit Dozenten und Kommilitonen....Foto: picture-alliance/ dpa-tmn

„Ich werde nie aufhören, mich weiterzubilden, immer am Ball bleiben.“ Mirko Link ist ein Profi in Sachen Fernlernen. Der Bürokaufmann hat schon vier Stu- diengänge erfolgreich absolviert. Vor fünf Jahren hatte er keine Lust mehr, als kaufmännischer Angestellter in einem Transportunternehmen zu arbeiten, wollte ins Personalwesen wechseln. Auf seine Bewerbungen bekam er nur Absagen. Was tun? Link entschied sich, eine berufsbegleitende Fortbildung zu machen – um sich zu qualifizieren und trotzdem weiter Geld zu verdienen.

Der 36-Jährige verglich die Anbieter und entschied sich schließlich für die Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD). Nach einem halben Jahr hatte er das Diplom „Geprüfter Personalreferent“ in der Hand. Mittlerweile arbeitet er als kaufmännischer Angestellter im Personalbereich einer Bank. Außerdem hat ihm sein Fernstudium einen Job im Prüfungsausschuss der IHK Frankfurt beschert. Nebenbei ist er freiberuflicher Dozent für kaufmännische Abschlüsse auf dem zweiten Bildungsweg.

Mirko Link ist kein Einzelfall: Nach Einschätzung des Vereins Forum Distance- Learning in Hamburg ist E-Learning ein anhaltender Trend. Vor gut 30 Jahren begann es mit Lehrstoff auf CD, der am Computer gepaukt wurde. Heute wird Bildung vorwiegend über das Internet organisiert: Die Lernenden besuchen ihre Seminare online, diskutieren in Foren und Chatrooms mit Dozenten und anderen Teilnehmern. „Die Stigmatisierung, dass E-Learning einsam macht, trifft heute nicht mehr zu“, betont Lutz Goertz, Abteilungsleiter Bildungsforschung beim Institut für Medien- und Kompetenzforschung (MMB) in Essen. Durch die Interaktion auf virtueller Ebene könne der fehlende menschliche Kontakt aufgefangen werden.

„Heutzutage muss wirklich niemand mehr vor dem Bildschirm vereinsamen“, unterstreicht auch Dörte Giebel vom Forum Distance-Learning. Die Neuen Medien und das Social Web machen es möglich. Fernschulen bieten häufig Online-Plattformen an. Hier erhalten die Teilnehmer alles aus einer Hand: Sie laden nicht nur Studienunterlagen herunter und melden sich für Prüfungen an, sie suchen auch den Kontakt zueinander und vernetzen sich. Der Online-Campus der SGD etwa kann über jedes Smartphone und internetfähige Handy besucht werden, berichtet Mitarbeiterin Corinna Scheer. Damit steht die virtuelle Schulbank jederzeit auch im Zugabteil oder auf der Wiese im Park bereit.

Auch Unternehmen setzen auf die Vorteile der Mitarbeiter-Weiterbildung mit Hilfe digitaler Medien. Das MMB führte dazu bereits zum fünften Mal eine Befragung durch: Über 90 Prozent der Experten sind sich einig, dass vor allem Blended Learning – eine Mischung aus E-Learning und realem Unterricht – eine zentrale Bedeutung für Betriebe hat. Auch hierfür werden mehr und mehr Social- Media-Elemente genutzt.

Demzufolge sind vor allem jüngere und internetaffine Mitarbeiter die ersten Adressaten für betriebliches E-Learning. An ältere Beschäftigte oder solche mit geringerer Vorbildung wird weniger gedacht. Für diese Gruppen sei „das Thema in den Personalabteilungen noch nicht angekommen“, meint Lutz Goertz. Es gebe zwar Überlegungen, wie auch sie in die Entwicklung eingebunden werden könnten, es fehle jedoch noch an der Umsetzung. Eines macht aber Hoffnung: Viele Personaler haben erkannt, dass der demografische Wandel auch vor ihrer Tür nicht Halt macht. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Fernlernanbieters ILS Professional wollen 91 Prozent der Personalverantwortlichen die veränderte Altersstruktur bei der Personalentwicklung zukünftig stärker berücksichtigen. Immerhin 86 Prozent sind überzeugt, dass die Kultur ihres Unternehmens so verändert werden muss, dass sich sowohl 20- als auch 60-Jährige wohl fühlen.

Und die Kosten? Für Unternehmen ist E-Learning betriebswirtschaftlich sinnvoll: Es spart Zeit und Kosten. Privatleute müssen für das Drücken der virtuellen Schulbank in die eigene Tasche greifen. Zwar können Fortbildungskosten steuerlich abgesetzt werden. Die Gebühren müssen jedoch im Voraus gezahlt werden. Lehrgänge, die zum Beispiel zum Abitur oder zum Betriebswirt führen, kosten zwischen 140 und 150 Euro im Monat. Die Zeitspanne liegt im Schnitt bei zwölf Monaten. Teurer sind Fernstudiengänge. Ein E-Studium, das mit einem Bachelor abgeschlossen wird, kostet im Schnitt 250 bis 300 Euro im Monat und dauert 36 Monate. Keinen Cent extra zahlen dagegen Deutschlands Studenten. Die sitzen zwar auch heute noch im Hörsaal, lernen aber außerdem via Podcast, besorgen sich online ihre Studienunterlagen und tauschen sich in Foren mit Kommilitonen aus.

Eines jedoch gilt für alle E-Lerner: Das wichtigste ist, den inneren Schweinehund zu überwinden. Selbstmotivation ist das A und O. Mirko Link schaffte das. „Ich habe mit eiserner Disziplin gelernt.“ Nachtschichten inklusive.(Mitarbeit: Wiebke Wandel)

Eine Broschüre des Fachverbands

Forum Distance-Learning informiert

zum Fernlernen: http://dpaq.de/Yivzf

Einen Ratgeber der Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) findet man hier: http://dpaq.de/zfu

Auch das Heft „Test Spezial Karriere 2011“ beschäftigt sich unter anderem mit Fernunterricht: www.test.de/shop/buecher-spezialhefte/bildung-soziales

Das Gesetz zum Schutz der Teilnehmer am Fernunterricht regelt die Rechte und Pflichten von Fernlernern und

Kursanbietern: http://dpaq.de/iwZ1N

Der Lehrstuhl für Mediendidaktik der Fernuni Hagen hat einen Selbsttest für Fernlerner entwickelt. Mit Hilfe eines

Fragenkatalogs werden die Schwachpunkte des eigenen Lernverhaltens

ermittelt. Als Ergebnis erhält man eine Analyse seines Lernstils sowie Tipps zum effizienteren „Allein-Lernen“: http://willenstest.fernuni-hagen.de

Einen „Bogen zur Selbstbeurteilung vor der Teilnahme am berufsbildenden Fernunterricht“ hat auch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zusammengestellt. Auf 13 Seiten kombiniert er Informationen und Tipps mit konkreten Fragen zur eigenen Lern- und Lebenssituation sowie einem Adressteil: http://dpaq.de/85hA4 dpa/Tsp

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

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