Zeitung Heute : Mehr junge Frauen an die Computer

Schülerinnen-Uni und Programmierkurse sollen die Mädchen auf Technik neugierig machen

Patricia Pätzold

Durchbeißen, lautet die Devise: „Am Anfang war der Stoff sehr abstrakt und praxisfern und ich wollte sogar abbrechen“, sagte Eva Maria Hoffmann. Die junge Studentin hat sich in Informatik eingeschrieben. „Aber dann fand ich Themen, die mir viel Spaß machen und mich herausfordern wie Computergrafik oder Informationstechnologien in Entwicklungsländern.“ An ihrer Fakultät ist sie eine Seltenheit: Weniger als zehn Prozent der Studienanfänger in der Informatik, der technischen Informatik und Elektrotechnik sind weiblich.

Doch damit will sich die Fakultät nicht zufrieden geben. „Der Frauenmangel ist eine ungeheure Verschwendung von Talenten, die wir uns nicht mehr leisten können und wollen“, erklärt Hochschullehrer Christian Boit. Er war jahrelang in der Industrie tätig, wo es seit längerem spezielle Programme gibt, um bevorzugt junge Frauen anzusprechen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Frauen, wenn sie erst einmal ihr persönliches Interesse an der Technik entdeckt haben, sich als sehr begabt und zielstrebig erweisen können.“ Informatiker Boit meint, dass die Dozenten bisher zu wenig verdeutlichen, welche individuellen und kreativen Spielräume diese Fächer bieten.

Andere europäische Länder sind da schon viel weiter. So liegt in Frankreich der Frauenanteil in diesen Fächern um das Dreifache höher als in Deutschland. Deshalb verwirklicht die Fakultät eine besondere Idee: eine Universität, die speziell Schülerinnen anspricht. „In nachmittäglichen Vorlesungen bereiten wir für die Mädchen technische Themen aus dem Alltag verständlich auf“, sagt Bettina Liedtke, die als Pädagogin für die Fakultät junge Studentinnen gewinnen soll. „Da geht es um Klimawandel, Medizin oder die Entwicklung des Gehirns, um Sprache und Wahrnehmung und vieles mehr.“

In diesem Semester beginnt die Schülerinnen-Uni am 31. Oktober. Wer will, kann auch nur einzelne Veranstaltungen besuchen. Zudem bietet die Hochschule einen Computerraum ausschließlich für Frauen und einen speziellen Programmierkurs. Auch das Programm „Studieren ab 16“, in dem junge Leute an Seminaren teilnehmen und Scheine erwerben können, bietet Module speziell für Schülerinnen an. „Zurzeit bereiten wir eine Umfrage vor, um zu erfahren, was wir für Frauen verbessern können“, erklärt Boit.

So gut die Angebote der Fakultät auch sein mögen, nichts geht über persönliche Kontakte. Die jungen Frauen knüpfen an der TU Berlin ihre eigenen Netzwerke: „Mit allen Frauen aus meinem Studiengang bin ich befreundet“, sagt beispielsweise Wilailak Saengjariyakul. „So ermutigen wir uns gegenseitig, wenn es mal schwierig wird“, fügt sie hinzu. Patricia Pätzold

Mehr Info im Internet:

www.cs.tu-berlin.de/frauenportal

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben