Zeitung Heute : Mehr Licht

DR. WEWETZER

Hartmut Wewetzer

DR. WEWETZER

Diese Krankheit tut nicht weh. Aber sie trifft uns an unserer verwundbarsten Stelle – dem Augenlicht. Genau dort, wo die Netzhaut am wichtigsten ist, wo die Stelle ist, mit der wir am schärfsten sehen – genau dort schlägt die AMD zu. Plötzlich ist genau im Zentrum unseres Sehfeldes, mit dem wir die Schrift am besten entziffern und mit dem wir Gesichter erkennen, ein verschwommener Fleck. So, als ob man durch eine schlierige Fensterscheibe schaut.

Die AMD ist den meisten unbekannt, obwohl sie die bedrohlichste Alterskrankheit des Auges ist. Menschen mittleren Alters haben ein Risiko von zwei Prozent, wer älter als 75 ist dagegen von fast 30 Prozent. AMD steht für „altersabhängige Makuladegeneration“. Die Makula ist jene Stelle auf der papierdünnen Netzhaut des Auges, auf der sich die Sinneszellen am dichtesten ballen.

Bei der häufigsten Form des Leidens, der „trockenen“ AMD, sieht der Augenarzt Ablagerungen im Gebiet der Makula. Diese „Drusen“ werden größer und größer. Schließlich sterben mehr und mehr Sinneszellen ab. Der unscharfe Fleck im Zentrum unserer Sehfeldes breitet sich aus und wird dunkler. Wie Tinte, die auf Löschpapier ausläuft.

Es ist schwer, der langsam fortschreitenden „trockenen“ AMD etwas entgegenzusetzen. Aber es gibt einen Lichtblick. Forscher haben herausgefunden, dass die tägliche Einnahme einer Kombination von Vitamin C und E, beta-Carotin, Zink und Kupfer das Fortschreiten der Krankheit bremsen kann. Allerdings nur bei Patienten, die bereits im zweiten Stadium des Leidens sind. „Wichtig ist außerdem, mit dem Rauchen aufzuhören“, rät Klaus Rüther, AMD-Spezialist an der Berliner Charité.

Noch bedrohlicher als die „trockene“ ist die „feuchte“ AMD. Sie trifft zehn Prozent der Kranken. Dabei wachsen Blutgefäße unter der Netzhaut, aus denen Flüssigkeit oder Blut „herauslecken“ und das Funktionieren der Makula beeinträchtigen können. Das verzerrt die Wahrnehmung – gerade Linien werden zu Wellen, das Augenlicht ist in noch größerer Gefahr als bei der „trockenen“ AMD. Die wuchernden Blutgefäße lassen sich aber mit Laserstrahlen behandeln. Erforscht werden zudem spezielle Medikamente. „Erste Ergebnisse gibt es schon, aber praktisch anwendbar sind sie noch nicht“, bremst der Augenarzt Rüther die Erwartungen.

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