Zeitung Heute : Mehr Öl

Bernd Hops

Was wird heute wichtig?

Opec-Konferenz: Im iranischen Isfahan tagt heute die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Dabei stehen die Ölminister unter erheblichem Druck. Besonders die westlichen Verbraucherstaaten fordern, mehr Öl auf den Markt zu bringen. Die Opec steht zwar zurzeit nur für knapp 40 Prozent der weltweiten Ölförderung. Ihre Mitglieder haben aber als einzige Produzenten noch größere freie Kapazitäten.

Seit Januar ist der Ölpreis wieder sehr stark gestiegen. In New York steht die Notierung jetzt bei mehr als 54 Dollar je Barrel (159 Liter), zur Jahreswende waren es noch 42 Dollar. Der Grund ist zwar vor allem der ungewöhnlich lang anhaltende Winter auf der Nordhalbkugel. Doch auch wenn jetzt langsam tatsächlich der Frühling beginnt, rechnen Experten nicht mit einer schnellen Erholung. Im Gegenteil. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) warnte in ihrem jüngsten Monatsbericht sogar, dass es langsam eng wird mit den Förder- und Raffineriekapazitäten . Zuletzt überstieg der weltweite Ölverbrauch die Produktion sogar ein wenig.

In den kommenden Monaten wird es nach Schätzungen der IEA zwar wieder umgekehrt sein, doch relativ knapp dürfte es bei Ölprodukten werden. Im April beginnt in den USA die Fahrsaison. In den vergangenen Jahren stiegen deshalb auch in Europa die Benzinpreise – die USA kamen mit ihrem Raffinerieausstoß nicht mehr nach und kauften bei den Europäern.

Das einzige Gegenmittel ist ein komfortables Ölangebot auf dem Weltmarkt. Auch die Opec ist sich – nach jüngsten Pressemitteilungen – bewusst, dass die seit langem hohen Preise auch langsam die globale konjunkturelle Erholung hemmen könnten. Und langsam geht die Diskussion in Richtung Produktionserhöhung. Aus Sorge vor einem möglichen Preisverfall hatten die Opec-Mitglieder noch zum Jahreswechsel ihre Förderung um etwa eine Million Barrel pro Tag gedrosselt – und eine weitere Senkung der Quoten nicht ausgeschlossen. Doch mittlerweile drängt das wichtigste Opec-Mitglied Saudi-Arabien darauf, wieder eine höhere Produktion zu erlauben. Dem hat sich auch der beratende Ausschuss des Kartells am Dienstag angeschlossen und eine Erhöhung der Quoten empfohlen . Letztlich entscheiden müssen aber die Ölminister. Eigentlich strebt die Opec offiziell eine Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel an. Bei einer langfristigen Überschreitung ist eine Produktionserhöhung vorgesehen, bis das Niveau wieder erreicht ist.

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