Zeitung Heute : Mehr Potenzial als jede andere Stadt

René Gurka, Geschäftsführer von BerlinPartner, sieht Berlin im Aufschwung

Rainer W. During

René Gurka ist optimistisch, sagt er. „Das Interesse der Investoren an Berlin ist ungebrochen, wir hatten im Januar und Februar genauso viele Anfragen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.“ Der Verband der Automobilindustrie habe sich ebenso für einen Umzug in die Hauptstadt entschieden wie der Suhrkamp-Verlag, mit der Bread & Butter sei es gelungen, die wichtigste Modemesse ihrer Art zurück nach Berlin zu holen. Und die Deutsche Presse-Agentur plane, den Sitz ihrer Zentralredaktionen von Hamburg nach Berlin zu verlagern. „Das hatte man uns nicht zugetraut für die ersten beiden Monate 2009“, sagt der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung BerlinPartner.

Als der studierte Rechtswissenschaftler nach sechsjähriger Tätigkeit bei den Deutsch-Amerikanischen Handelskammern in Atlanta und San Francisco 2007 nach Deutschland zurückkehrte, war die Entscheidung für Berlin keine Frage. „Keine andere Stadt in Europa hat solche Potenziale“, sagt der 37-Jährige. Berlin sei eine wahnsinnig attraktive Metropole, die man nicht mit Hamburg oder München, sondern mit London, Paris, New York, Moskau, Tokio und Peking vergleichen müsse. Keine andere Stadt neben Berlin habe so viel Platz für Interessenten zu bieten. „Wir werden in den nächsten zehn bis 15 Jahren jedem kleinen und mittleren Investor mehr als fünf Angebote machen können.“ Ein weiterer Vorteil Berlins sei, dass Unternehmen hier hochqualifizierte Fachkräfte finden.

Nachdem sich Anfang der neunziger Jahre der Glaube, dass sich nach dem Mauerfall alles von selbst entwickeln werde, als Trugschluss erwies, habe sich Berlin in den vergangenen beiden Jahrzehnten mehr als einmal neu erfinden müssen, sagt Gurka. Der Entschluss, Anfang des Jahrtausends Schwerpunkte durch eine Clusterbildung zu setzen, hat sich aus seiner Sicht bewährt. Die Bereiche Medien, Life Sciences, Verkehr und Mobilität sowie Dienstleistungen hätten riesige Potenziale, betont er. Die Charité sei eine der Top-Uni-Kliniken der Welt. Alle bedeutenden Automobilhersteller würden ihre Machbarkeitsstudien für Elektrofahrzeuge in Berlin durchführen, die Stadt habe gute Chancen, zu dem Standort für E-Mobility in Europa zu werden.

Mit dem Bau des neuen Airports BBI als künftig drittwichtigstem Flughafen Deutschlands habe die Hauptstadtregion auch das Glück, über eines der größten Infrastrukturprojektes des Landes zu verfügen. Damit sei ein völlig neues „Entwicklungsgebiet Airportregion“ entstanden, das sich vom Hauptbahnhof über Mediaspree und Adlershof bis zum Berliner Ring erstreckt und bei nationalen ebenso wie internationalen Unternehmen auf starkes Interesse stößt. „Seit 18 Monaten verzeichnen wir zum Beispiel starke Wachstumszahlen in Adlershof – nicht nur, aber auch wegen des BBI.“

„Einen Trumpf, den wir noch nicht genug ausgespielt haben, ist die Verbindung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft“, sagt Gurka. „Berlin ist der größte Wissenschaftsstandort in Deutschland und kein Außenstehender weiß das.“ Unter dem Logo „Berlin Sciences“ hat BerlinPartner deshalb ein umfassendes Informations- und Serviceangebot im Internet eingerichtet. Es listet mehr als 450 wissenschaftliche Einrichtungen auf.

Neben der Gewinnung neuer Investoren ist für Gurka die Bestandspflege von großer Bedeutung. Nach entsprechenden Entscheidungen auf Senatsebene soll hier bis zum Sommer gemeinsam mit Investitionsbank, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer ein umfangreiches Serviceangebot für bereits ansässige Unternehmen installiert werden.

Berlin ist für den gebürtigen Friesen Gurka inzwischen seine Heimat. Gern stürzt er sich „halb privat und halb dienstlich“ in das Berliner Nachtleben, geht im Sommer golfen und spielt im Winter Eishockey in einer Mannschaft der Hobby-Liga. Und inzwischen hat René Gurka auch seine Liebe zu Hertha BSC entdeckt – auch da geht es ja zurzeit aufwärts.

www.berlin-partner.de

Das Interesse der Investoren an Berlin ist ungebrochen, wir hatten im Januar und Februar genauso viele Anfragen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.“

René Gurka

Geschäftsführer

BerlinPartner

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