Zeitung Heute : Mehr Verantwortung, mehr Fehler, mehr Erfolg - Wettbewerb der Stiftung "Brandenburger Tor"

Nora Damme

"Jugend forscht", "Jugend musiziert", "Jugend sucht Spuren" - Wettbewerbe zum Leistungsansporn von Schülern gibt es viele. Aber "Jugend übernimmt Verantwortung"? Unter diesem Motto hat die Stiftung "Brandenburger Tor" zum zweiten Mal einen bundesweiten Wettbewerb ausgeschrieben. Anders als bei anderen Schülerwettstreiten, tritt der Wettbewerbsgedanke in den Hintergrund. Schulen und Jugendeinrichtungen haben sich mit Projekten beteiligt, die ein Ziel haben: Die Schüler ihre eigenen Erfahrungen sammeln zu lassen.

"Wer Erfolg haben will und dies nicht nur mit dem Einsatz der Ellenbogen, muss in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen", betonte Wolfgang Edelstein von der Stiftung anlässlich der Preisverleihung in Berlin. 21 Preisträger erhielten Geldpreise, Beratung bei der Verwirklichung ihrer Ideen oder langfristige Fördermittel. In ganz unterschiedlichen Bereichen hatten sie bewiesen, dass sie verantwortlich handeln: Während eine Schule in Wismar den ehemaligen Kohlenkeller zur Kultur- und Freizeitlandschaft ausbaute, übernahm eine andere in Pinneberg die unbefriedigende Pausenversorgung mit einem Kiosk kurzerhand selbst. An einem Nürnberger Gymnasium gründete sich eine Rumänien-Initiative, die beim Renovieren eines Kinderheims und einer Ausbildungsstätte half. Andere bauten ein Krankenhaus-Radio auf oder entwickelten einen Kinderstadtplan.

Unangenehm dunkle und stinkende Unterführungen störten den Jugendrat der Stadt Koblenz. "Doch ist einfach nichts passiert", berichtete Steffi Rampe. Um zu zeigen, dass es anders geht, nahmen sie sich eine davon vor. Durch einen Sprayer-Contest im Juni wird die frisch gestaltete Unterführung den letzten Schliff bekommen.

Positiv fiel auch die Bilanz von Siegfried Arnz, Schulleiter der Werner-Stephan-Oberschule in Berlin-Tempelhof aus, die einen Förderpreis für die Idee einer Schülerfirma bekamen. An der einst als Problemschule bekannten Einrichtung ist für jeweils einen Tag in der Woche der normale Schulbetrieb außer Kraft gesetzt. Alles in der Firma - von der Produktion der Bilderrahmen über den Vertrieb bis hin zur Betriebskantine - wird von den Neunt- und Zehntklässlern selbst übernommen.

Solche Projekte, findet Wolfgang Edelstein, könnten bis zu einem Drittel des Unterrichts ausmachen. Doch dem stehen Stundenpläne und unflexible Schulstrukturen im Wege. Auch die Lehrerausbildung sei noch zu sehr an der reinen Wissensvermittlung orientiert. Gastreferent Fritz Oser von der Schweizer Universität Fribourg warb für eine Abkehr vom Bild einer "Schule als Einkaufszentrum", in der man bedient wird. Dem ersten Symposium der Stiftung zum Thema "Verantwortung lernen in der Schule" sollen deshalb bald Seminare zur Projektdidaktik folgen.

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