Zeitung Heute : Mehrsprachigkeit lernen

Vor drei Jahren eröffnete Phorms die erste Privatschule in Berlin – mittlerweile gibt es fünf weitere Standorte

Patricia Hecht
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Auf den Broschüren sind spielende Kinder und fröhliche junge Menschen zu sehen, über ihnen steht in roter Schrift auf Deutsch und Englisch: „Wie junge Menschen große Optimisten bleiben.“ Die Broschüren werben für die Privatkindergärten und Privatschulen der Phorms AG. „Kinder sollen gerne zur Schule gehen“, sagt Vorstandsvorsitzende Béa Beste. „Eltern legen außerdem Wert darauf, dass früh eine zweite Sprache gelernt und ihr Nachwuchs individuell gefördert wird – und dass die Schule auf das Leben in einer globalisierten Welt vorbereitet.“

Das alles will Phorms unter einen Hut bringen. Vor drei Jahren eröffnete die AG ihre erste Schule in Berlin, 46 Schüler lernten hier zu Beginn. Bald kamen Schulen in Frankfurt am Main und München dazu. Mittlerweile gibt es Phorms in sechs Städten, rund 1600 Kindergartenkinder und Jugendliche werden dort bilingual ausgebildet. „Wir sind sehr schnell gewachsen“, sagt die 40-jährige Beste, die enorme Energie ausstrahlt. „Momentan drehen wir an den konzeptuellen Stellschrauben.“

Entstanden ist die Idee, eine Privatschulkette ins Leben zu rufen, vor vier Jahren in Dubai. Beste begleitete ihren Mann auf einen Kongress und traf dort den Unternehmer Alexander Olek. Der sei, sagt Beste, auf der Suche nach einer guten Schule für seine Kinder gewesen. Beste, die lange als Produktmanagerin bei Sat 1 und der Boston Consulting Group gearbeitet hatte, streckte die Hand aus. „Da gab es Bedürfnisse, die in ein Produkt umgesetzt werden mussten“, sagt sie. Zusammen befragten sie Eltern, wo diese Bedürfnisse liegen, und sprachen mit Pädagogen, wie sie umgesetzt werden können. Mit internationalen Lehrkräften entwickelte die bald gegründete AG das Konzept für Phorms und den Lehrplan. „Das war gar nicht so einfach“, sagt Beste: Der Abschluss ist international anerkannt, der gemeinsame Lehrplan gilt in verschiedenen deutschen Bundesländern. Ein Umzug etwa von Berlin nach Bayern wäre für Schüler so leichter zu verkraften.

Auch in ihrem eigenen Leben, sagt Beste, habe Bildung eine besondere Rolle gespielt. Sie wuchs in Rumänien auf und kam nach dem Tod ihrer Eltern mit 15 Jahren nach Deutschland. Dort musste sie die Sprache neu lernen und „in der Schule performen, um meiner neuen Familie etwas wiederzugeben“, sagt sie. Nach dem Vordiplom in Wirtschaftsingenieurwesen, das sie an der TU Berlin machte, studierte sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste.

Durch die Berliner Phorms-Schule weht ein Hauch von Mehrsprachigkeit und Internationalität. In einem ruhig gelegenen Backsteinbau im Wedding, einem ehemaligen Fabrikgebäude von AEG, fällt Deckenlicht in die Klassenzimmer. Alle Räume sind auf Deutsch und Englisch beschriftet. Ab dem Kindergarten werden beide Sprachen gleichberechtigt gesprochen, je nach Bundesland wird ab der fünften oder siebten Klasse eine weitere Sprache eingeführt. Viele Lehrer tragen britische oder kanadische Namen. Die Schüler selbst kommen in der Stadt größtenteils aus Berlin, einige aus mehrsprachigen Familien. Betreut werden sie familienfreundlich von halb acht bis 18 Uhr.

Finanziert wurde der Start der Privatschulkette durch Investoren, ab 2012 soll sich die AG selbst tragen. Der Besuch der Schulen kostet zwischen 50 und 1000 Euro monatlich – je nach Standort und den finanziellen Verhältnissen der Eltern. „Der soziale Mix ist uns wichtig“, sagt Beste, die ihr Unternehmertum als „Social Entrepreneurship“ bezeichnet: „Wir wollten keine Privatschulen nur für Kinder aus reichem Haus gründen, sondern gute Bildung für alle zugänglich machen.“ Das spielt auch beim Schulkonzept eine Rolle: Unternehmertum, sagt Beste, bedeute für sie vernetztes Denken und gesunde Risikobereitschaft. „Das wollen wir den Kindern vermitteln.“

Bestes eigene Tochter hat gerade Abitur gemacht – auf einem Gymnasium in Zehlendorf. Bei Phorms nämlich wird dieses Schuljahr zum ersten Mal eine zehnte Klasse den Mittleren Schulabschluss machen. Die Kinder des Mitgründers Alexander Olek allerdings werden wohl bereits bis zum Abitur gehen können: Sie sind momentan in der ersten und dritten Klasse.

www.phorms.de

Kinder sollen gerne zur Schule gehen. Eltern legen Wert darauf, dass eine zweite Sprache gelernt und ihr Nachwuchs individuell gefördert wird und dass die Schule auf das Leben in einer globalisierten Welt vorbereitet.“

Béa Beste,

Vorstandsvorsitzende Phorms AG

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