Zeitung Heute : Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?

THEATER AM POTSDAMER PLATZ Nur ein Gigolo: Daniel Rákász und Janina Elkin vefallen dem Mambo-Fieber als Johnny und Frances in der Musicalversion von „Dirty Dancing“

ANNA PATACZEK

Diese eine, letzte Hebefigur fasst noch einmal den ganzen Plot zusammen. Frances, genannt Baby, springt in Johnnys starke Arme. Er hebt sie hoch in die Luft. Ihr Vater will aufspringen und einschreiten, lässt sie dann aber doch schweben. Was heißt das? Das junge Mädchen hat nicht nur seine erste Liebe gefunden, sondern hat sich am Ende der Sommerferien auch von ihren Eltern gelöst. Es ist das Finale von „Dirty Dancing“, dem Kult-Tanzfilm mit Patrick Swayze und Jennifer Grey. Für diese Szene trainiert Daniel Rákász regelmäßig im Fitness-Studio. Schließlich muss er diese Hebefigur bald täglich mit seiner Partnerin tanzen, in der Musicalversion, die im Theater am Potsdamer Platz läuft. Und dafür braucht er Muckis, obwohl er eigentlich schon über ansehnliche Oberarme verfügt. Aber zu laut darf das keiner sagen. Daniel Rákász mag es nicht, wenn er nur auf seinen gestählten Körper reduziert wird. „Ich bin ein sehr nachdenklicher Typ“, sagt der 24-Jährige, ein gebürtiger Ungar, der vor seiner Ausbildung zum Musicaldarsteller erst noch Management und Finanzwesen in Budapest studiert hat.

Janina Elkin, die die Baby tanzt, hat sich bei seinem Anblick gedacht: So groß, so ein Mann. Ein echter Johnny. Klar, er führt. Aber auch sie stützt ihn. Beim Casting habe er sich mit der selbstbewussten Janina sofort sicher gefühlt, sagt Rákász. Als er 15 war, entdeckte er bei sich zu Hause plötzlich eine Videokassette von „Dirty Dancing“, erzählt er. „Ich habe sie mir angeschaut und dachte nur: Wow!“ Die vorsichtige Art und Weise, wie sich Johnny und Frances einander nähern, gefiel ihm.

In den Achtzigern haben sich Millionen von Mädchen danach gesehnt, einmal von ihrem Freund einen Satz wie „Mein Baby gehört zu mir, ist das klar?“ zu hören. Aber natürlich ist ein Tanzfilm nicht das echte Leben, das weiß auch Janina Elkin. Vor kurzem aber hatte sie nach einem langen Probentag eine Nachricht von ihrem Vater im Mail-Postkasten: „In Dir steckt mehr Baby, als Du denkst“ , schrieb er ihr. Nicht nur, weil sie mit 17 ihre erste Liebe kennenlernte, wie das Mädchen im Film, sondern weil sie genauso für Dinge kämpft, die ihr wichtig sind, egal, was andere von ihr halten.

Aufgewachsen ist Janina Elkin in Kiew und Heidelberg. Die Ausbildung an der Ballettakademie Mannheim schmiss sie, weil der klassische Tanz sich unecht anfühlte und sie Sprache auf der Bühne benutzen wollte. Für die Audition zu „Dirty Dancing“ hatte sie keinen Monolog vorbereitet, also improvisierte sie kurzerhand einen Ehekrach. Auf die Frage nach dem Autor des Textes nannte sie einfach den ukrainischen Mädchennamen ihrer Mutter. Eine Tanzpose mit Partner Daniel nennt sie Popo-Figur. Und sie hat sich zusichern lassen, dass sie auch als Hauptdarstellerin die Zeit hat, weiterhin Schauspielunterricht zu nehmen. „Ich will noch so viel lernen“, sagt sie.

Dann nestelt sie an Daniel Rákász’ Fliege, er packt sie an den Hüften und dreht sich mit ihr im Dreivierteltakt. Sie schauen sich tief in die Augen. Damit keine Gerüchte entstehen: nicht als Daniel und Janina, sondern als Johnny und Baby.ANNA PATACZEK

Premiere 7.4., Vorstellungen 9.-13., 15.-20., 22.-27. und 29./30., wechselnde Uhrzeiten

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