Mein Garten EDEN : Bananen aus Deutschland

Ursula Friedrich

Unter Gärtnern gibt es Trends wie in der Modewelt, allerdings finden sie bodennah statt. Ich kann mich bei dieser Feststellung nur auf das Geschehen in meiner Nachbarschaft berufen. Ob der gegenwärtige Trend weltweit ist, will ich nicht behaupten. Aber um mich herum findet jetzt schon, eigentlich im Winter, ein geschäftiges Treiben statt. Es wird gescharrt, gekratzt, gegraben. Das Neue dabei ist, dass die schlafenden Staudenbeete, mühsam nach der Farbpalette der Gartenzeitschrift gestaltet, nicht in Ruhe gelassen, sondern umgearbeitet werden. In braune Felder, mit fein zerriebenem Kompost bedeckt. Mein Nachbar, der freundliche Rentner, steckt Zwiebelchen in geraden Reihen hinein. Nein, daraus werden keine Tulpen oder so was, sondern Gourmet-Schalotten namens Mikor, pro Pflanzzwiebel sind bis zu zehn rosa Schalotten zu erwarten.

Kartoffeln wird er auch züchten, und zwar die Sorte „Annabelle – du bist so schnell“. Er hat sie bereits in einer mitgelieferten Vorkeimkiste bei Zimmerwärme neben dem Klavier stehen. Wird noch Schnee kommen? Er verlässt sich auf die drohende Klimaerwärmung. Seine Kartoffeln werden laut Beschreibung gelbfleischig sein, mit flachen Augen.

Phlox kann man nicht essen, Dahlien auch nicht. Der Trend geht in Richtung Bio-Anbau im eigenen Garten, auf dem Balkon, auf der Terrasse. Man kann alles in Kübeln pflanzen, Trauben, Bananen und die Süßkirsche Silvia. Die Gartenprospekte mit den Vorschlägen purzeln nur so in den Briefkasten. Letztes Jahr bin ich der Versuchung erlegen und habe die orange Tomate Exxtasy F 1 in zwei Terracottatöpfen ausgesät, sechs Korn zu 3,95 Euro. Tatsächlich, sie sind gekommen und haben Früchte getragen – trotz des Dauerregens. Ich hatte die Töpfe an die Südhauswand gerückt. Im Beet kann man das ja nicht so einfach machen. Heuer habe ich beim selben Gärtner, Herrn P. in Niedersachsen, Samentütchen mit Philophita F 1, einer gegen Kraut- und Braunfäule resistente Cherrytomate bestellt, acht Korn zu 4,95 Euro. Ist ja nicht ganz billig. Aber Tomaten enthalten Biotin, sind also über die Maßen gesund.

Und noch zwei Dinge muss ich unbedingt haben. Gelbe Radieschen. Da werden meine Gäste staunen, wenn ich meine Kalte Platte mit gelben Radieschen dekoriert ist. Mein zweiter Plan richtet sich auf Pilze aus eigener Anzucht. Steinchampignons! Im Katalog sehen sie so schön in ihrer Fertig-Kulturkiste (11,95 Euro) aus. Im Handumdrehen ist die Kultur angesetzt, und schon vier Wochen später erntefertig. Vielleicht kriege ich noch irgendwo rot- oder weißgestreiftes Basilikum, das wird sich zu den braunen Steinchampignons und den gelben Radieschen gut machen. Ich werde berichten. Ursula Friedrich

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar