Mein Garten EDEN : Bananen wie Äpfel

Ursula Friedrich

Okay, wir verlieren unseren Euro. Wir verlieren unsere Aktien und unsere Altersversorgung. Aber das ist alles nicht so schlimm im Vergleich zu der schwersten Verlustmeldung, die mich neulich im Wissenschaftsteil einer seriösen Zeitung heimsuchte: Wir verlieren die Banane. Unsere Kindheitsbegleiterin! Unser Bindeglied im Obstsalat. Unsere praktische, stets hygienische Müslizutat. Auch pur zu genießen. Zusammen mit einem Huhn zu braten. Mit Curry ziemlich indisch schmeckend. Das probate Mittel gegen Durchfall. Unsere erste feste Speise. Ich kann gar nicht aufhören. Unser Babyglück. Und billig ist sie auch. Fast das Billigste im Supermarkt.

Die Banane ist in so fürchterlicher Gefahr, stand in der Zeitung, dass an der Universität Leuven ein Rettungszentrum für sie gegründet wurde. Wir haben sie ja schon einmal fast verloren, vor 60 Jahren. Die damals am häufigsten verkaufte Banane hieß „Gros Michel“. Sie schmeckte wesentlich besser als die uniforme Chiquita von heute, war auch robuster beim Transport, aber ein kleiner Pilz namens Sigatoka führte einen schlimmen Angriff auf sie. Die dicke Michel wurde größtenteils zerstört. Aber noch hatte man mit Fungiziden den Schaden der sogenannten Bananenkrankheit eindämmen können. Nun ist in Asien ein neuer Pilz aufgetreten, gegen den es bis jetzt kein Gegenmittel gibt. In Südamerika ist er noch nicht, wo sehr viele Bananen herkomen, deren botanischer Name übrigens „Musa paradisica“ ist. Aber, befürchtet ein Forscher in Leuven, was passiert, wenn ein Tourist an seinen Schuhsohlen diesen Pilz mit nach Costa Rica bringt? Und kein Abwehrmittel ist da?

Das Problem liegt hauptsächlich an der Art und Weise, wie Bananen angebaut werden. Sie sind lauter Klone, eine Staude wie die andere stehen sie auf riesigen Feldern undurchdringlich nebeneinander mit ihren langen hängenen Blättern. Die Früchte in ihrer gebogenen Form kommen aus den männlichen Blüten. Die sind weißgelb und werden von lila Deckblättern geschützt. Die Blüten isst man in Asien auch, aber eher als Schmuckzutat, wirtschaftlich spielen sie keine Rolle.

Fungizide und andere neue Schädlingsbekämpfungsmittel halten die einen Forscher für den richtigen Weg. Andere sehen die Züchtung neuer Sorten als Rettung an. Es gäbe nämlich über 300 noch nicht „benützte“ Pflanzen. Sie haben einen kleinen Nachteil, sie schmecken nicht ganz so wie unsere gewohnten schönen krummen Früchte. Die eine Sorte ist säuerlich, die andere schmeckt nach Apfel – der Mensch müsste sie erst umschneidern. Wenn ihnen das nicht gelingt, käme die Panamakrankheit wie damals beim dicken Michel, bloß noch schlimmer. Ach Freunde, eine neue Krise droht. Und Geld haben wir auch keines mehr zur Bekämpfung der Krankheit. Ursula Friedrich

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