Mein Garten EDEN : Blaskonzert für den Walnussbaum

Ursula Friedrich

Den Nobelpreis kriegt man nicht so ohne Weiteres. Man muss die Maßstäbe einer vielköpfigen Jury erfüllen und dann auch noch der Würdigste sein. Alle Auszeichnungen sind an schwierige Bedingungen geknüpft. Im Krieg muss man jemand im Nahkampf erstochen haben. Um den Karnevalsorden fürs Lustigsein zu gewinnen, muss man schon sehr lustig sein – wie etwa die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Und um Baum des Jahres zu werden – dazu muss sich ein Baum richtig anstrengen. Letztes Jahr war es die Eiche, die gesiegt hat. Dieses Jahr ist es der Walnussbaum. Baum des Jahres 2008.

Man stellt sich das vielleicht so vor: Naturfreunde streifen durch die Natur und sehen einen besonders schönen Baum, der noch nicht dran war. Dann treffen sie einhellig ihre Wahl. Aber so ist es nicht. Nämlich dann kommt die Hürde der Jury. „Um Konsens ringen die Deutsche Dendrologen-Gesellschaft, der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, das Internationale Baumarchiv, der Bund Deutscher Forstleute, der Bund deutscher Baumschulen, die Gartenamtsleiterkonferenz beim Deutschen Städtetag und so weiter, 30 Institutionen unter dem Vorsitz von Silvius Wodarz, dem Initiator „des Ganzen“, lese ich in der Zeitschrift „Geo“.

Juglans regia, der Walnussbaum, der das edelste Holz hat und die besten Nüsse. Zum Festakt in Berlin spielte ein Blasorchester. Zwei Grundschulklassen aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide waren angereist. Ahh, und wie er sich gefreut hat, der Walnussbaum!

Warum ist er nur bisher so lang zur Seite gestellt worden? Den Preis gibt es doch schon seit 19 Jahren. Vielleicht, weil er so groß ist? Er erreicht eine Höhe von bis zu 30 Metern und ist deshalb in unseren immer kleiner werdenden Gärten nicht beliebt.

In dem Dorf, in dem ich wohne, steht einer riesig und weit ausladend vor einem Bauernhaus. Der Hausbaum, wie man früher sagte, der einzeln stehend und mächtig das Anwesen vor Blitzschlag und Sturm schützen sollte. Die Nüsse verbergen sich unter einer grünen saftigen Schale, aus der man sie herausholen muss, bevor man sie trocknet und knackt. Das Innere ist weich und ähnelt im Aussehen dem menschlichen Gehirn. Deshalb steht die Nuss im Ruf, eine Gehirnnahrung zu sein, besonders reich an den tollsten Vitaminen. Die Walnuss und wir alle haben Grund, uns aufrichtig bei der Jury zu bedanken.

Allerdings: 100 Gramm Walnusskerne enthalten 705 Kalorien.

Es gibt übrigens ein magisches Silvesterritual: Um Mitternacht knackt jeder Anwesende vier Walnüsse, für jede Jahreszeit eine. Sind die Walnüsse gut, wird auch das nächste Jahr gut. Wenn nicht, oh je. Ursula Friedrich

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