Mein Garten EDEN : Blaue Rosen, blaue Nelken

Ursula Friedrich

Also, ich persönlich bin eigentlich nicht scharf darauf, auf dieses absolute Wunder in der Blumenwelt. Der japanische Konzern Santory, der bisher hauptsächlich eine Whisky-Marke produziert hat, hat es geschafft, zu züchten, was Hunderte von Züchtern über Hunderte von Jahren vergeblich versucht haben – nämlich die BLAUE Rose. Sie soll demnächst auf den Markt kommen. Teuer wird sie sein, die teuerste und luxuriöseste Schnittblume der Welt. Bloß weil sie blau ist. Ein Zusammenhang zwischen Blau und Whisky besteht nicht. Es geht um modernste Technik, Genforscher haben uns die Sensation beschert. Sie haben herausgefunden, warum die Versuche, eine blaue Rose zu erschaffen, bisher so erfolglos waren. Den Rosen fehlt ein Gen, wie übrigens auch Nelken und Chrysanthemen, das einen blauen Farbstoff erzeugen kann. Ja, da brauchte man doch nur ein Veilchen-Gen in die Rose hineinzu schleusen und gleichzeitig die vorhandenen rotgelben Farbstoffe zurückdämmen, schon ist es da, das blaue Wunder!

Natürlich ist das jetzt hier etwas vereinfacht beschrieben. Natürlich bedurfte es höchster Forschungskonzentration. Und natürlich ist die Rose nicht ganz richtig knallblau, aber das lässt sich beheben. Yoshikazu Tanaka, Chefentwickler der Gentechblume, sagt dazu, dass der pH-Wert der Rosenblätter nicht hoch genug sei, „sie sind zu sauer. Aber wir werden den Stoffwechsel der Rose noch besser in den Griff bekommen“. Und ist es so großer Mühe wert? Ich als Hobbygärtnerin lasse mir jährlich die bewährten Kataloge kommen und wäre froh, wenn meine weiße Adalbert Stifter-Rose endlich so üppig blühen würde wie auf der Abbildung. Oder meine tiefrote Senator Burda. Aber der Blumenhandel sieht das anders. Mehr als 40 Milliarden Dollar werden weltweit jährlich an Schnittblumen umgesetzt, davon entfallen 10 Milliarden auf Rosen. „Der Zierblumenhandel lebt von Neuigkeiten“, erklärt ein Experte. „Deshalb haben gentechnisch veränderte Blumen gute Chancen auf dem Markt.“

Blaue Rosen, blaue Nelken und Blumen, die nicht verwelken. In Deutschland arbeiten Forscher daran, dass Flammende Kätchen und Glockenblumen den Pflanzenstoff Ethylen nicht mehr erkennen. Das ist der Stoff, der die Welkvorgänge in Gang bringt.

Mensch, das wäre doch auch für uns was? Wir erkennen das Altern nicht mehr? Wir verlernen das Altern? In Stuttgart arbeitet eine Firma daran, Blumen kälteresistent zu machen. Schon gibt es Petunien, die bis zu minus fünf Grad aushalten, ohne zu frieren. Kann man das bei uns nicht auch in die Wege leiten? Die leidigen Heizprobleme ließen sich vermeiden. Und ich möchte gern ein Kaktus-Gen eingeschleust bekommen, damit ich richtig und ganz toll widerborstig sein kann. Ursula Friedrich

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