Mein Garten EDEN : Blumenwiesen quadratmeterweise

Ursula Friedrich

Wenn eine Rose „Schwarze Madonna“ heißt, ist sie deshalb noch lange nicht schwarz, entnehme ich dem Katalog der Firma Kordes, den ich mit einer wahnsinnigen Sehnsucht nach Rosen studiere – wie jedes Jahr um diese Zeit. „Es gibt keine schwarzen Rosen“, wird da ehrlich zugegeben. „Schwarze Rosen sind immer nur dunkelrot, mit gutem Willen lässt sich die Knospe als schwarz bezeichnen.“

Also schminke ich mir die Schwarze Madonna ab. Eigentlich will ich sie gar nicht, was wäre so toll an einer schwarzen Rose? Irgendwann wird sie als Triumph höchster züchterischer Bemühungen wahrscheinlich doch mal Wirklichkeit, so wie die schwarze Tulpe. So etwas brächte Weltruhm ein. Wir haben ja jetzt schon die gelbe Pfingstrose als sensationelle Neuigkeit. Ich frage mich, warum eine Pfingstrose unbedingt gelb sein muss. Vielleicht kriegen wir auch demnächst die himmelblaue Forsythie...

Ich blättere gern in Katalogen und Gartenzeitschriften, ich will ich ja auf dem Laufenden bleiben. Obwohl ich nichts so hinkriege, wie es da abgebildet ist. Mein Phlox verblüht auf einen Schlag, und dann sieht das Beet nach nichts mehr aus, weil ich versäumt habe, schöne Schafgarbe oder Dahlien direkt daneben oder dahinter zu setzen. Meine Cosmeen blühen, ich habe drei Stück gekauft, aber sie wirken immer noch wie drei Stück nebeneinander. Kein wogendes Blütenmeer. Die Astern haben eine Welke, ich hätte sie rechtzeitig spritzen sollen. Die Gladiolenzwiebeln habe ich zu spät gesetzt, in anderen Gärten blühen sie schon, bei mir kommen grad die Knospenstängel.

Wozu sind Gartenzeitschriften gut? Um einem ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie sagen einem, was man alles tun kann, um den Garten zu verschönern, und vor allem: tun muss. Und zwar unbedingt, jetzt, sofort. Sonst ist alles zu spät. Rosen nicht mehr düngen. Samentragende Unkräuter nicht auf den Kompost werfen, noch einmal Brennnesseljauche zubereiten. Moorerde bestellen für den Rhododendron. Die braunen Blütenstände habe ich doch ausgezwickt? Also bitte. Sofort.

Natürlich gibt es auch immer wieder richtig gute Ratschläge. Man kann jetzt fertige Blumenwiesen bestellen, quadratmeterweise, und meterweise Bodendecker für den Schatten. Auf Baumwollmatten gezüchtet, auszubreiten ohne weitere Erdvorbereitungen. So etwas vereinfacht das Gärtnerleben. Eine weitere Anregung: Bei mir blüht der Salbei. Das heißt, dass die Blätter zu hart geworden sind, um sie in Butter zu braten. Aber man kann die Zweige samt Blüten abschneiden und in eine Vase stellen. Das ganze Haus duftet.

Wo Salbei wächst, gibt es keinen Tod, haben die Römer gesagt. Da muss man erst durch eine Gartenzeitschrift draufkommen ... Ursula Friedrich

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