Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Cosmea

Das Schmuckkörbchen aus Mexiko ist zartfiedrig und liebt es trocken – und wenn es sein muss, ist es auch sturmfest.

NAME

Von Ursula Friedrich

Die Entdeckung dieses Sommers verdanke ich einem Sonderangebot von Tengelmann. Auf einem Blumenständer standen vierundzwanzig Töpfchen mit Cosmeen an der Sonne. Es war heiß, die Töpfchen waren fast vertrocknet. Mit herunterhängendem Blattgefieder und längst ausgeblühten Blumenköpfchen standen sie da. Aus wenigen Restblüten war zu erkennen, dass es sich um die Sorte Gloria mit rosa Riesenblumen mit rotem Ring in der Mitte handelte. Ich nahm zuerst zwölf Stück in meinen Wagen, dann sahen mir die restlichen zwölf so traurig nach, dass ich umkehrte und auch sie einlud. Vierundzwanzig halbverdurstete Schmuckkörbchen zum Fast-Geschenkt-Preis. Zu Hause setzte ich sie ins Narzissenbeet zwischen die noch nicht ganz entfernten gelben Zwiebelblätter. Zugegeben, direkt wunderschön sah das nicht aus. Der Anblick verbesserte sich etwas, nachdem ich das Verblühte entfernt und die Narzissenreste vollends abserviert hatte.

Cosmeen oder Schmuckkörbchen sind in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus Mexiko nach Europa gekommen. Sie sind mit den Dahlien verwandt. Es gibt nicht sehr viele verschiedene Sorten. Die Farben reichen von Blutrot, Pink, Rosa, Weiß bis zu einem schokoladigen Braunrot (dies ist allerdings eine neue Züchtung). Es gibt niedere und höhere Sorten und bei den meinigen ließ sich anfangs lange nicht genau erkennen, worauf sie hinaus wollten. Inzwischen weiß ich: Sie sind nur etwa 20 Zentimeter hoch, dicht verzweigt und müssen nicht gestützt werden. Ich habe sie nach dem Einsetzen nicht gedüngt, weil sie nach meinem Gartenbuch nichts Fettes als Nahrung wollen. Was sie wollen ist Sonne und eher Trockenheit als Nässe.

Genau das kriegten sie noch vor ein paar Wochen überhaupt nicht: Es goss und goss in ihre schönen Gesichter hinein, sehr oft blitzte und donnerte es, und zweimal hatte es in den letzten Wochen gehagelt - so dick, dass die Erde weiß war von Eisstücken. Nicht gerade hühnereigroßen, aber immerhin kirschgroßen. Und jetzt komme ich darauf zurück, warum sie für mich die Entdeckung des Jahres sind, meine Cosmeen.

Lassen Sie sich schildern: Die Funkien hat der Hagel zerlöchert und zerstampft. Meine Begonien stehen ohne Kopf da. Die Kapuzinerkresse ist dabei, ihre Stängel mühevoll wieder zusammenzusuchen. Der Chlox ist licht geworden.

Aus den Ringelblumen koche ich am besten gleich mit Schweineschmalz die berühmte Ringelblumensalbe, die Brandwunden heilt und, auf die Brust gestrichen, Husten lindert (Rezept von meiner Großmutter).

Aber meine Cosmeen, meine braven, zarten Schmuckkörbchen sind ganz unberührt von der Naturkatastrophe. Sie haben die Hagelkörner durch ihre zarten fiedrigen Blätter einfach auf den Boden fallen lassen, haben sich nicht dagegen gestemmt, haben nachgegeben, sich geschüttelt und wieder erhoben. Das Zarte weicht aus, das Saft- und Kraftstrotzende bricht, wird zerstört. Dasselbe kann man ja auch im zeitigen Frühling beobachten - die dünnen Schneeglöckchen halten auch schwerem Schnee stand, die dicken Tulpen knicken ab.

Und so sind die armen Cosmeen, die ich aus Mitleid gekauft habe, in diesen Tagen der absolute Glanzpunkt meines hagelgeschädigten Gartens.

Nächste Woche: Geißblatt

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!