Mein Garten EDEN : Der Duft der Verheißung

Ursula FriedrichD

An einem Tag hat es geschneit, in großen Flocken, die aussahen, als seien sie aus Wolle und warm. Am nächsten Tag schien die Sonne. Ich setzte mich dick eingepackt an die Südwand. An den Ranken des Echten Jasmin neben mir konnte ich zwei bescheidene gelbe Blüten zählen. Sie dufteten. Aber es kam noch keine Biene. Bienen lassen sich durch einen einzigen Sonnentag mitten im Winter noch nicht aufwecken. Aber ein Zitronenfalter segelte müde daher. Was will denn der jetzt schon? Er hatte den Winter überlebt. Aber der war ja noch gar nicht vorbei. Zwischen Winter und Frühjahr liegt, um einen Tag verkürzt, der Februar. Ein Monat, der es zulässt, dass die Pfützen noch zu Eis werden. Andererseits schiebt er manchmal ein paar wärmere Tage dazwischen, worauf in Bayern dieses Jahr 40 Männer beim Eisstockschießen in einen kleinen See einbrachen. So ist der Februar, der Karnevalsmonat, er leistet sich auch seine groben Späße.

An meiner Hauswand war ich davon nicht bedroht. Die Luft roch noch nicht warm, aber irgendwie verheißungsvoll. An einer Stelle, wo kein Schnee lag, waren bereits saftige grüne Spitzen aus dem gelblichen Moos hervorgebrochen. Die Vorbereitung zu Schneeglöckchen, denen es vor nichts graust, obwohl es am Boden noch so kalt ist.

Die Sonne heizte meine Wand auf. Hie und da flogen schweigsame Vögel vorbei. Manche kamen auch zu Fuß und pickten im Schnee herum. Kein Gezwitscher. Dazu hatten sie noch keine Lust. Während mir lauter kleine Frühlingslieder durch den Kopf gingen. Meine Großmutter nannte den Februar nicht Februar, sondern „Auswärts“ – er führt aus dem Winter mit kleinen Schritten heraus.

Wir haben auch viele kluge Sprichwörter, zum Beispiel „Ist St. Roman hell und klar, deutet’s auf ein gutes Jahr.“ Dafür, dass die positiven Voraussagen eintreffen, sind liebenswürdige Heilige zuständig, wie die Heilige Apollonis, die heute kaum einer kennt. Der Februar hat aber auch einen prominenten Heiligen, wie den Blasius, dem mehr Heilkraft bei Halskrankheiten zugeschrieben wird als den jährlichen Impfungen. Der Blasius war Bischof und hatte ein sehr gutes Gemüt. Auch hatte er einen speziellen Draht zum lieben Gott. Ich habe über ihn eine wunderbare Geschichte gelesen: Eine arme Witwe kam weinend zu ihm. Der Wolf hatte ihr einziges Schwein geraubt. Bischof Blasius schloss sich ein und betete, flehte zu Gott, dass er der armen Witwe helfen möge. Und siehe, der Wolf brachte das Schwein zurück! Da kann man die Verehrung gut verstehen.

Meine Hauswand ist immer noch ein bisschen warm. Ein kleiner Käfer kriecht aus einer Ritze zwischen Wand und Erde. Demnächst wird die Hamamelis blühen. Und dann ... und dann ... dann kommt der Frühling.Ursula Friedrich

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