Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Der Winter kommt

Auch wenns weh tut: Welche Pflanzen man richtig schützt und welche man besser gleich wegwirft

Ursula Friedrich

Ach, sind das schöne Zeiten, wenn ich im Frühjahr frische Erde in meine Pflanzenkübel fülle und einsetze, was bald blühen soll: Geranien, Fuchsien, Margeriten, Petunien, blaue Gänseblümchen, Wandelröschen… Ich freue mich auf den Sommer, auf warme Abende, an denen ich auf der Terrasse sitze und den betörenden Duft des Heliotrops genieße. Halt, beinahe hätte ich den vergessen, Heliotrop muss noch in den großen, griechischen Topf, ein Sommer ohne Heliotrop ist nicht denkbar.

Nun sind die traurigen Zeiten angebrochen. Der Heliotrop verschwindet auf dem Kompost, die unermüdlich blühenden Strohblumen auch. Ich bringe es nie fertig, die jungen Blüten abzuschneiden und zu trocknen. Ich mag keine getrockneten Blumen in Zinnkrügen. Sie haben so was Staubiges. Die Strohblumen dürfen bei mir saftig und knallbunt blühen, bis der Frost sie dahinrafft. Alles rafft der Frost dahin, bis auf ein paar Pflanzen, die im Freien in ihren Kübeln wohnen bleiben dürfen. Rosen, Lavendel, Buchs zum Beispiel. Denen gilt jetzt meine ängstliche, geradezu hypochondrische Sorge.

Wie bringe ich sie über den Winter? Ich lese dazu alle Ratschläge in Zeitschriften und Büchern. Am liebsten habe ich natürlich anfangs die gelesen, die unter dem Motto „So leicht kann Gärtnern sein“ verbreitet werden. Dann habe ich gemerkt, dass die leichtsinnigen Ratschläge, sobald man sie in die Tat umsetzen will, genauso arbeitsreich sind wie die gewissenhaften. Man braucht genau das gleiche Werkzeug, die gleichen Schutzvorrichtungen, den gleichen Zeitaufwand. Leute, wenn euch jemand sagt, dass Gärtnern ganz easy ist – das ist geschwindelt.

Die Kübel sind schwer. Das macht die Anweisung, sie in einen mit trockenem Laub gefüllten Jutesack zu stecken oder sie fest in eine Schilfmatte einzupacken, zur schweren Arbeit, weil man sie dazu heben, zur Seite neigen, tragen muss. Die Pflanzen sollen verhüllt werden und dennoch Luft bekommen. Also keine Plastikfolien benützen, darunter können sich Schimmelpilze bilden. Eine Nachbarin hat extra ganz leichte, großmaschige Wollschals gestrickt, mit denen sie ihre Rosen locker einwickelt. Wenn ich ihr dabei zusehe, denke ich jedesmal an eine Mutter, die ihr Kind warm einpackt, bevor es zum Schneemannbauen hinaus darf.

Ich kann nicht so gut stricken, außerdem ist diese Methode ein teurer Spaß. Die Nachbarin nimmt nämlich Angorawolle. Ich fahre ins Gartencenter und kaufe Schilfmatten, die ich in der Größe passend zuschneide. Dazu habe ich mir eine nicht ganz billige Heckenschere erworben. Meine beiden Rosenstöcke „Summerwind“ und „Schwanensee“ werden eingewickelt, oben offen, weil sie etwas Regen oder einen leichten Wasserguss aus der Gießkanne recht gern haben. Die Schilfmatten müssen fest mit Schnur umwickelt werden. Darüber kommen Tannenzweige, die man ebenfalls festzurrt. Am Boden ist eine Unterlage aus Holz oder Styroporplatten erforderlich. Summerwind und Schwanensee sollen nicht an den Füßen frieren.

Ich versichere, dass ich dafür einen Tag streng arbeite. Aber so kommen sie tatsächlich über den Winter. Zurückgeschnitten werden sie erst im Frühjahr. Den Oleander stelle ich ins Haus. Er kriegt zwar Schildläuse, aber er überlebt. Alle anderen Topfpflanzen – Margeriten, Geranien, sogar Fuchsien – werfe ich nach ausgiebigen negativen Erfahrungen weg. Das ist die allereinfachste Methode, nur das Herz tut einem dabei weh. Weil sie den ganzen Sommer so fleißig geblüht haben.

Nächste Woche: Wilder Wein

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