Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Die Wühlmaus

Der Maulwurf ist nicht der einzige, der sich unter dem Rasen herumtreibt. Es gibt da noch einen hartnäckigeren Wühler.

Ursula Friedrich

Im vergangen Jahr hat mich ein Leser aus Kladow darum gebeten, doch mal etwas über Maulwürfe zu schreiben, und zwar bitte ohne die Vokabeln „lieb“ und „niedlich“, denn das seien sie mitnichten. Eine Landplage seien sie, und dazu noch artengeschützt! Über Maulwürfe habe ich schon geschrieben, und ich gestehe, dass ich das Wort „süß“ verwendet habe. Und ich habe geschrieben, dass sie dem Garten eigentlich keinen großen Schaden zufügen, wenn man von den auffallenden Erdhügeln absieht, mit denen sie die Gegend verschandeln. Pardon, lieber Leser aus Kladow!

Sind Sie übrigens sicher, dass es der Maulwurf ist und nicht die Wühlmaus, die in Ihrem Garten ihr Unwesen treibt? Wühlmäuse schieben die Erde schräg aus den Gängen heraus, Maulwürfe schaufeln die Erde senkrecht nach oben, was einen regelmäßig geformten, runden Erdhaufen bewirkt. Wühlmäuse graben nicht im Winter, weil sie da schlafen, es sei denn, sie werden durch milde Wetteränderungen geweckt. Maulwürfe machen laut Brehm keinen Winterschlaf.

Der Unterschied ist äußerst diffizil zu diagnostizieren. Warten wir auf bessere Tage, wenn beispielsweise die gelben Rüben im Wachstum begriffen sind. Da nämlich habe ich es gemerkt, dass ich Wühlmäuse im Garten habe. Ich trat ans Beet, im Herzen die Lust nach einer zarten, selbst gezogenen Rübe. Zog am Kraut – und unten dran war nichts.

Achtung, Achtung! Wühlmäuse im Anmarsch! Bringen im Jahr bis zu 3 000 Nachkommen zur Welt! Fressen ausschließlich Wurzeln, Rinden, Stängel, also grob gesagt, Pflanzen. Während der Maulwurf hauptsächlich kleine Weichtiere, Engerlinge, Larven, Käfer verzehrt. Für die harten Wintermonate legt er sich Lager von Regenwürmern in seinen Gängen an. Gut, soll er sie haben, wenn sie ihm schmecken. Aber die Wühlmäuse sollen nicht meine Rüben, Kohlrabi, jungen Salat, saftigen Jungtriebe von meinem Phlox haben. Sie dürfen nicht die Rinde von dem kleinen Apfelbäumchen abfressen. Und ich merke dann erst ein halbes Jahr später, dass mit dem Bäumchen was nicht stimmt, und wieder nach einem halben Jahr, dass es tot ist. Wühlmäuse müssen weg!

Aber wie? Mein Nachbar lieh mir eine große Rattenfalle. Er stelle sie auch für mich auf. Tagelang geschah nichts. Nur die Möhren direkt daneben waren abgefressen. Dann, eines Morgens, lag sie tot drin. Erschlagen. Sie sah eigentlich nicht niedlich aus, weil sie so groß war. Mein Nachbar holte seine Falle wieder. Die Wühlmaus kam in die Biotonne.

Grausam? In einer Gartenzeitung habe ich kürzlich die Lesertipps gelesen, wie man Wühlmäuse vertreibt. Der eine macht es erfolgreich mit Menschenhaaren, die er in die Löcher stopft. Das riechen sie nicht gern. Sie packen ihre Koffer und ziehen Maus für Maus aus ihren unterirdischen Gängen aus. Hundehaare sollen ähnlich wirken. Man kann Wasser in die Gänge leiten und sie vertreiben. Es gibt Ultraschallgeräte, da schreiben manche allerdings, dass sie bei ihnen nichts genützt hätten. Knoblauchzehen und vergorene Holunderblätter sind offenbar auch nicht zuverlässig. Glasscherben in die Löcher gesteckt, helfen vielleicht. Vielleicht tritt der Gartenbesitzer sie sich jedoch in den Fuß, wenn er auf eigenem Gelände mal barfuß läuft.

Sehr geehrter anfänglich erwähnter Leser: falls Sie 3000 Wühlmäuse in ihrem Garten haben – ja, dann verkaufen Sie am besten das Anwesen. Sie können in die Anzeige setzen: naturnaher Garten. Aber vielleicht ist es doch bloß der Maulwurf.

Nächste Woche: Duftender Schneeball

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