Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Erde

Auch Pflanzen schmeckt nicht alles: Wie unsere Autorin den richtigen Boden bereitet

Ursula Friedrich

Wir hatten einen Onkel in Argentinien, den wir persönlich gar nicht kannten. Weihnachten kam immer eine besonders bunte Glückwunschkarte von ihm. Als er starb, schrieb uns seine Witwe und bat um die Sendung einer Hand voll bayerischer Erde für sein Grab. Das hatte er sich gewünscht. Er hatte sein ganzes Leben lang Heimweh nach Bayern, schrieb sie. Ich ging auf den Balkon und stach aus einem Blumenkistchen eine Schaufel voll Erde aus. Wir füllten sie in eine Keksdose und schickten sie nach Buenos Aires. Erde, ob vom Balkon oder aus einem Acker, war für mich etwas Neutrales, Dunkelbraunes, Krümeliges. Ein nach nichts riechender, uninteressanter Stoff. Mochte sie dem Onkel leicht werden.

Seit ich kürzlich auf einem Gartensymposium der Grünen in unserem Ort war, denke ich darüber anders. Eine industriell hergestellte, in Plastiksäcken verkaufte Balkonerde ist keine Heimaterde, weil ihr die landestypischen Mikroorganismen, die Mineralien, Bakterien, Würmchen, Würzelchen und anderes Kleinzeug fehlen. Aus einem geradezu wunderbaren Zusammenspiel all dieser Bestandteile wächst erst die gesunde, natürliche, bayerische oder holsteinische Kartoffelerde, der badische oder fränkische Weinbergboden, wachsen Sorten typisch heran.

Nie hatte ich mir vorher Gedanken gemacht, ob die Erde in meinem Garten den Pflanzen überhaupt schmeckt, ob sie ihnen gut tut, ihren Bedürfnissen entspricht. Ich düngte im Frühjahr, zerbröselte hie und da ein paar Portionen Steinmehl nach Gutdünken. Seit diesem Symposion sehe ich die Dinge anders. Ich ging hin, weil ich im Sommer davor eine traurige Erfahrung gemacht hatte. Von meinen sechs Säcken Mistkompost (fünf bezahlen, sechs erhalten) war mir ein dreiviertel voller Sack übrig geblieben. Diesen Rest füllte ich in meine Terracottakübel, versenkte Montbretienzwiebelchen und Dahlienknollen darin und wartete auf das glänzende Ergebnis. Fetter Mistkompost, das muss doch ein Erfolgsrezept sein.

Dem puren Mistkompost entstiegen höchst kümmerliche Gewächse, verhungert im Überfluss. Alles falsch gemacht. Aber was, das wollte ich jetzt wissen. Der Vortrag des Sachverständigen begann gleich mit dem Hinweis, dass es nicht ganz einfach sei, eine gesunde Gartenerde zu erzielen und zu erhalten. Ein Indikator sei die Anwesenheit von Regenwürmern. Auf richtig guten Böden können bis zu 400 Würmer pro Quadratmeter gezählt werden. Hatte ich je gezählt? Nie.

Wenn man eine Hand voll Erde in ein Schraubglas voll Wasser gibt, das Ganze schüttelt und sich setzen lässt, rieselt zuerst der Sand nach unten. Die Schlammpartikel brauchen etwas länger. Bis sich die Lehmpartikel setzen, dauert es mehrere Stunden. Danach ist an der Dicke der Schichten abzulesen, ob die Erde sandig, humos oder lehmig ist. Lehmboden muss mit Sand gelockert werden, ein vorwiegend sandiger Boden braucht Mist und Kompost. Mikroorganismen kann man heutzutage kaufen, eine Liste von Adressen nahm ich mit heim.

So, ihr Blumen und Bäume. Von nun an soll es euch gut gehen. Ich werde, sobald das Frühjahr richtig beginnt, auch noch den ph-Wert meines Bodens ermitteln. Das einfache Messgerät ist angeblich in jedem Gartencenter erhältlich. Der ph-Wert soll etwa bei sieben liegen. Liegt er darüber, ist der Boden alkalisch. Liegt er darunter, ist er sauer. Werde ich alles prüfen. Liebe Leserin, lieber Leser, ich bin auf dem Weg zur Fachfrau für Heimaterde. Danke, Symposium!

Nächste Woche: Leberblümchen

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben