Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Feldblumenstrauß

Unsere Autorin geht Blumen pflücken, lobt Schafgarbe und Mädesüß und verrät, warum man die Wegwarte besser stehen lassen sollte.

Ursula Friedrich

Zurzeit blüht in meinem Garten der Phlox, außerdem das, was als Unkraut an jedem Bahndamm wächst, was wir aber als „Baby Gold“ aus dem Gartencenter heimgetragen haben: Goldruten. Sonst nichts, woraus man schöne Sträuße machen kann. Leider bin ich ein fürchterlicher Geizkragen, was meine eigenen Blumen betrifft. Ich kann sie nicht abschneiden. Ich weiß, dass man den Phlox köpfen müsste, also die erste Blüte, und dann, heißt es, treibt er ganz schnell neue Blüten. Wenn ich hingegen die Blüten verblühen lasse, verwelkt auf einen Schlag die ganze Pracht. Ja, aber wenn ich sie gleich abschneide, dann fängt sie doch gar nicht richtig an, die Pracht.

Ich stehe mit der Schere in der Hand da, ein paar Rosen blühen noch. Ich käme mir grausam vor beim Kupieren. Lieber habe ich keinen Strauß, oder ich kaufe knospige Gladiolen bei Tengelmann, die leider selten richtig aufblühen. Oder ich schaue mal nach, was in Feld und Wald und auf den Wiesen blüht.

Früher bin ich von keinem Spaziergang zurückgekommen, ohne einen großen Feldblumenstrauß. Seit ich mit meinem Hund unterwegs bin, habe ich für Blumen am Wegesrand keinen rechten Blick mehr. Ich achte nur darauf, ob andere Hunde kommen oder Radfahrer oder sonstige Störenfriede. Also: Hund daheimlassen beim Phlox und mit Schere und einer Lage feuchtem Papier losziehen. Das feuchte Papier braucht man, weil Feldblumen geradezu blitzartig die Köpfe hängen lassen. Sie halten es in heißen Menschenhänden nicht lange aus.

Irgendwo habe ich gelesen, dass wegen Düngung und Unkrautvernichtung auf Wiesen nichts anderes mehr wächst als ödes Gras. Aber das stimmt nicht, auch wenn durch die Hitze vieles vertrocknet ist. Jetzt, wo die Heuernte vorbei ist und die zweite noch nicht begonnen hat, gibt es vieles, was sich zu anmutigen Sträußen zusammenstellen lässt. Schafgarbe zum Beispiel. Mit prächtigen mehlweißen Köpfen. Man muss die Stängel abschneiden, beim Pflücken geht die Wurzel ab. Und Sauerampfer, hübsch rötlich. Blaue Zaunwicken als etwas verwirrtes Knäuel schauen als Lückenfüller toll aus.

Der Wiesenbocksbart blüht. Aber den lasse ich stehen, er faltet in der Vase sofort seine gelben Blütenteller zusammen. Er weigert sich standhaft, als Zimmerdekoration herhalten zu müssen. Geißblatt hingegen ist langlebig, Mädesüß sieht ähnlich aus, ist nur etwas wuscheliger und hat so einen hübschen Namen. Auf Lateinisch heißt Mädesüß Filipendula almaria. Wundklee und Hornklee, alles vorhanden. Auch der Wiesensalbei. Ich finde eine riesige Ansiedlung von echter Kamille, einen dichten Buschen Rainfarn. Aus Rainfarn mit den kleinen gelben Blütenkugeln wird ein Mittel gegen Spulwürmer gemacht, das erinnert mich an meine Kindheit. Rainfarntee, schmeckte scheußlich, musste aber vorbeugend einmal im Jahr getrunken werden.

An einer sandigen trockenen Stelle steht eine Wegwarte, mit Blüten von geradezu überirdischem Blau. Ich erinnere mich, dass sie eine verzauberte Prinzessin ist, die in Gestalt einer Blume auf ihren Geliebten wartet. Lassen wir sie warten. Aus Erfahrung weiß ich, dass sie abgeschnitten augenblicklich ihre Farbe verliert und verblüht. Komisch, dass ich genau diesen Weg fast jeden Tag gehe. Und nicht einmal die roten Lichtnelken gesehen habe. Das macht der Hundeblick. Den sollte sich eigentlich eine Gärtnerin nicht angewöhnen.

Nächste Woche: Malven

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