Zeitung Heute : Mein Garten Eden: Feuerdorn

Ursula Friedrich

Gärtner müssen die Gabe haben, in die Zukunft zu sehen. Sie kaufen im Frühjahr einen kleinen Strauch mit nichts als ein paar Dornen dran, setzen ihn in die Erde und lassen ihm Zeit. Er kriegt Blätter, kreideweiße Blütenbüschelchen und macht eigentlich nicht viel her, außer dass er mit seinen Dornen kräftig zusticht. Den Gärtner ficht das nicht an, er weiß ja, der Tag wird kommen, an dem sich grüne Beeren an den Zweigen leuchtend rot oder orange zu färben beginnen. Noch zwei, drei Jahre, dann werden Spaziergänger stehen bleiben und ihn bewundern: den Feuerdorn, Pyracantha angustifolia, oder Pyracantha coccinea.

In meinem Garten fressen die Vögel so ziemlich alles: abgesehen von Kirschen, Johannisbeeren, Holunder auch die blauen Mahoniabeeren an ebenfalls Stachel bewehrten Zweigen. Es sei ihnen ja gegönnt. Nur die Feuerdornfrüchte mögen sie nicht. Sie sind offenbar kein Leckerbissen. Und so schmückt die orangerote Pracht auch den winterlichen Garten, funkelt aus dem Schnee heraus. Der Strauch behält auch einen Teil seiner Blätter, die vergilben erst im April und Mai. Man muss übrigens wissen, dass man beim eventuellen Zurückschneiden sehr vorsichtig sein sollte, weil erst die zweijährigen Triebe blühen und fruchten.

Zu den Pflanzen, die die großen Stunden ihrer Schönheit erst im Herbst und gegen Ende des Winters haben, gehört auch die Zaubernuss, Hamamelis mollis. Sie sieht jetzt aus, als hingen unzählige Zitronen an ihren Ästen. Ihre Blätter werden hellgelb, nachdem sie den ganzen Sommer mattgrün überhaupt kein Aufsehen erregt haben. Hamamelis hat noch eine zweite große Stunde im Januar. Die fransigen Blütchen sind nicht üppig, aber sie duften wunderbar, süß und verheißungsvoll. Der Busch sollte frei stehen. Ich habe ihn leider zwischen Heckenrosen und eine Forsythie gesetzt, zu nah aufeinander. Wie es halt die allermeisten Gärtner, die sich nicht so genau auskennen, in der ersten Pflanzwut machen.

Jedesmal im Sommer denke ich, dass die Eiben eigentlich weg müssten aus ihrer Ecke. Sie sehen so stumpf und traurig aus mit ihren schwarzgrünen Nadeln. Aber dann, im ersten Schnee oder, fast noch schöner, im Rauhreif bieten sie einen so herrlichen Kontrast. Auf dem Apfelbaum bleibt der Schnee nicht hängen, auf dem Kirschbaum auch nicht, und die stehen gebliebenen Ziergräser drückt er flach. Da bin ich froh um die Schwarzkiefer, die sich weiß herausputzt. Dieses Jahr hat sie geblüht und viele noch geschlossene Zapfen entwickelt. Sie werden aufgehen, wenn ich sie in einem großen Korb ins Zimmer hole. Braun, harzig, herrlich zu verheizen im Kaminofen.

Ach, all das sollte man bei der Gestaltung seines Gartens bedenken. Zwölf Monate hat das Jahr, und für jeden Monat sollte etwas Schönes bereit sein. Das nennt man die Logistik des grünen Daumens. Ehrlich gesagt, nach fast dreißig Jahren beherrsche ich sie noch immer nicht. Kann ja noch werden.

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