Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Gartengeräte

Der Mäher, die Harke, der Spaten, für sie beginnt jetzt der Winterschlaf. Und unsere Autorin bekommt ein schlechtes Gewissen.

Ursula Friedrich

Zurzeit wache ich morgens auf, höre eine innere Stimme und sage: „Ich weiß.“ Abends, wenn ich ins Bett gehe, höre ich die Stimme wieder und sage wieder: „Ich weiß.“ Und dann schlafe ich mit total schlechtem Gewissen ein. Weil ich meine Gartengeräte immer noch nicht winterfit gemacht habe, wie es von Fachleuten dringend vorgeschrieben ist. In einer Zeitschrift wird es sogar mit zwei Zeichnungen deutlich gemacht: „So nicht“, und „So ist es richtig“. Im ersten Fall liegen und stehen die Geräte durcheinander im Schuppen, im zweiten Fall sind sie an einer sinnvoll angebrachten Aufhängungsleiste hübsch geordnet. Winterfit eben. Ich muss nicht sagen, dass für mich „So nicht“ zutrifft. Bis jetzt.

Meine guten Vorsätze beginnen bei den Motorgeräten, beziehungsweise beim Rasenmäher. Damit er auch im nächsten Frühjahr gut anspringt und sauber mäht, sollte man die Zündkerzen ausbauen und trocken im Haus lagern. Mein Mäher hat einen Elektrostarter, es empfiehlt sich, auch die Batterie herauszunehmen. Außerdem müssen alle Rasenreste entfernt und der Schmiernippel eingefettet werden. Auch die Messer erhalten, nachdem sie beim Händler nachgeschliffen wurden, unbedingt eine Portion Staufferfett. Diese präzisen Anweisungen entnehme ich dem Sonderteil einer Gartenzeitschrift unter der Überschrift „Gärtnern leicht gemacht“.

Da ich nicht weiß, wo der Schmiernippel ist, werde ich mich auf die äußere Reinigung beschränken – heute noch. Oder spätestens morgen. Wenden wir uns den Gießkannen und Wassereimern zu. Das ist wirklich einfach – sie sind nur auszuleeren. Die Wassertonne auch. Nicht vergessen, weil das Wasser bei Frost die Plastikkannen und sogar die Zinkwannen aufreißen würde.

Schwieriger ist es schon mit den Scheren. Die gehören gründlich gebürstet, mit einem Öllappen poliert und auf ihre Schärfe kontrolliert. Messer entweder selber schleifen oder beim Fachhändler auswechseln lassen. Leuchtet ein, ist aber umständlich. In dem Dorf, in dem ich wohne, gab es bis vor einem Jahr einen Werkzeug- und Gartengeräteladen. Der hat aber zugemacht. Im Super-Praxis-Markt der nächsten Kleinstadt verkaufen sie neue Werkzeuge. Zum Schleifen oder Auswechseln hatte der viel beschäftigte Verkäufer keine Zeit, als ich mit meinen vier Scheren (gut geputzt) erschien. „Was wollen Sie mit dem alten Gelumpe“, sagte er.

Der Spaten darf nicht schmutzig an der Wand stehen. Mit Sandpapier abgeraspelt, sieht er wieder wie neu aus. Dasselbe gilt für den Rasenkantenstecher, die Grabgabel, den Fuchsschwanz, den Apfelpflücker mit dem kleinen Säckchen vorndran, jetzt soll das alles winterfit sein. Gepflegt mit möglichst biologischem Öl, glänzend gewienert, ganz tadellos soll es an der Wand hängen. Vielleicht wäre es den Geräten lieber, ich nähme sie ins Haus, ins warme Gästezimmer oder in den Hobbykeller, wenn ich einen hätte.

Ach, der November ist immer der Monat, in dem ich mich als schlechte Gärtnerin fühle. Nachlässig, faul. Ich besitze einen Grubber mit drei Zinken, einen Sauzahn und einen Löwenzahnwurzelstecher, und sie haben es ja auch verdient, von mir geschätzt und respektiert zu werden. Also den Winter reinlich und ordentlich zu verschlafen.

Ich weiß, ich weiß. Diese Woche komme ich nicht mehr dazu, aber gleich nächsten Montag. Vor allem die Sichel braucht meine Zuwendung. Ich habe sie im Regen liegen lassen, jetzt hat sie ein bisschen Rost angesetzt. Ich weiß.

Nächste Woche: Alpenveilchen

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