Mein Garten EDEN : Gebackene Maulwurfserde

Ursula Friedrich

In meinem Gartenkalender steht: jetzt umtopfen. Die Pflanzen sollen ins Frühjahr mit frischer Erde hineingehen. Tatsächlich sieht die Erde in den Töpfen irgendwie geschrumpft aus, als hätten der Orangenbaum, die Yucca-Palme, der Kaktus den genießbaren Teil davon gegessen. Sie sehen hungrig aus, sie sehnen sich nach einer Auffrischung.

So einfach ist das aber nicht mit dem gesunden Nachschub. Natürlich kann ich im Gartencenter fix und fertige Substrate kaufen, aber das klingt so nach Fertignahrung und wirft die Frage auf, ob alles bio ist oder nur schön braun gefärbt und mit allem möglichen geschönt. Je billiger die Humussäckchen, desto weniger nahrhaft, hat mir mal ein Gärtner gesagt. Das Beste sei feinst gesiebter Kompost, vermischt mit einem Fünftel Sand und einem Fünftel Torf. Das schmecke den meisten Pflanzen, außer den Orchideen. Die brauchen, ähnlich wie Katzen, eine spezielle Zubereitung, vielleicht mit Petersilie.

In meinem Komposthaufen leben hunderttausend rote, sehr lebendige Würmer, habe ich gestern entdeckt. Unter der oberen Laubschicht ist es offenbar schon jetzt schön warm. Nun sollen Würmer ja für den Gartenboden äußerst gesund sein, aber ich kann sie doch nicht in Blumentöpfe füllen. Ich habe alles sofort wieder zugedeckt und mich gegraust.

Sand? Wo bekomme ich zwei Kilo feinen Sand her? Ich kann mir eine Fuhre im Kieswerk bestellen. Etwas zu viel. Kleine Packungen mit Vogelsand gibt es im Zoogeschäft. Aber wer weiß, was da drin ist, vielleicht Desinfektionsmittel. Mein Nachbar hat eine eigene Lösung für die Erdfrage gefunden. Auf einer nahen Wiese, beziehungsweise unter ihr haben mehrere Maulwürfe ihre Winterquartiere ausgebaut und dabei viele schwarze Erdhaufen an die Oberfläche transportiert. Krümeliges, lockeres Material. Mit einem Schäufelchen und einem Eimer geht er hin und sammelt die Hügelchen ein. Am nächsten Tag sind wieder neue da. Wir wissen, dass der Bauer schimpft. Aber er darf die Maulwürfe nicht fangen, sie stehen unter Naturschutz. Vielleicht gehört die Erde im Eimer meines Nachbarn dem Bauern. Mein Nachbar macht mit dem Diebesgut etwas Merkwürdiges. Er verteilt die Beute auf einem Backblech und schiebt sie bei 100 Grad in den Ofen. Eine halbe Stunde lang. Weil vielleicht, belehrt er mich, Krankheitserreger drin sind, Maulwürfe könnten auch Tollwut haben oder Fuchsbandwürmer.

Ich weiß nicht, ob ich die Erde für meine Blumentöpfe backen will. Das mit der Billigerde leuchtet mir ein. Und was ist, wenn ich die mit einer Portion Heilerde aus dem Reformhaus anreichere? Heilerde ist für alles gut, für den Stuhlgang und die Pickel auf der Haut. Davon könnten doch meine Azaleen auch profitieren. Heilerde – warum nicht?Ursula Friedrich

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