Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Iris

Wie unsere Autorin versucht, eine geschenkte Sumpfblüte bei sich anzusiedeln

Ursula Friedrich

Vor ein paar Jahren war ich bei einer Freundin, die gerade ihren Garten in Ordnung brachte. Sie machte aus ihrem Teich samt Sumpfgebiet wieder ein ganz normales Stück Rasen. Weil der Teich angefangen hatte zu stinken, die Goldfische waren gestorben, und im Sumpfgebiet wälzte sich ihr Hund. „Möchtest du Iris?“, fragte sie mich. Gärtner sind unersättlich, sie wollen alles und Geschenktes sowieso. Die Irispflanzen, frisch ausgestochen und mit an den Knollen haftendem Sumpf, sahen zwar nicht besonders aus, aber ich dachte, das wird schon. Das wird ganz wunderschön blau. „Ich verstehe nicht, wie du so was wegschmeißen kannst“, sagte ich zu meiner Freundin und packte alles in eine große Pappschachtel.

Schwertlilien habe ich schon. Aber diese Art von Iris, blau und mit dünneren, weicheren Blättern, noch nicht. Von der Pflanzenfamilie her sind sie eng verwandt. Neben meinen gelben und lila gefleckten Schwertlilien mit dem steifen Wuchs wollte ich die zarten Schwestern setzen. Der Platz war sonnig, aber trocken, letzteres wollen sämtliche Irissorten eigentlich nicht. Aber ich würde mehr gießen, und die Neuen hatten ein bisschen von ihrer Sumpferde ja dabei.

Vielleicht muss ich einmal die Größe und Beschaffenheit meines Gartens erklären. Er ist rechteckig, bretteben und misst etwa 400 Quadratmeter. Ein paar Quadratmeterchen vor dem Haus sind von einem Blumenbeet bedeckt. Ich habe viel zu viel überall hingepflanzt. Ein Gartenarchitekt hat mir einmal angeboten, meinen Garten vollkommen neu zu gestalten, mit einem Hügel, geschwungenen Wegen und Hecken mit Durchblicken. Für fast umsonst hätte er es gemacht. Aber ich habe abgelehnt. Zu viele meiner blühenden Freunde hätten dran glauben müssen.

Und jetzt also noch blaue Iris. Die schwerfeuchten Boden mag und Sonne nur am Kopf. Und nun einen kiesigen, trockenen Platz bekommt. Hatte ich nicht bemerkt, dass auch die Schwertlilien daneben ziemlich kümmerlich blühen? Aber sie haben ihre hellgrünen Blattlanzetten im Frühjahr immer wieder ans Licht geschoben.

Ich mag alle Irisarten. Sie sollen verwandt sein mit den Gladiolen, obwohl außer den Blättern keine besondere Ähnlichkeit festzustellen ist. Etwas Magisches ist um sie. Den alten Griechen galten sie als Symbole für Schmerz und verschmähte Liebe. Ihren Namen bekamen sie in der Antike nach Iris, der Götterbotin, die über den Regenbogen geht, um ihre Nachrichten zu überbringen. Und die Seelen verstorbener Frauen und Mädchen ins Jenseits zu führen. Die Stadt Florenz erkor sie zu ihrem Wahrzeichen, in Frankreich war sie unter Chlodwig I. Wappenblume.

Bei mir hat sie im ersten Frühjahr spärlich geblüht. Iris ist winterhart, sie überstand auch den nächsten Winter. Im zweiten Frühjahr blühte sie etwas freudiger. Aber ich werde den Verdacht nicht los, dass sie nicht zufrieden ist bei mir. Nur, soll ich sie wegwerfen oder herschenken, ohne zu wissen, dass sie es an einem neuen Platz besser hat?

Sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Sie verblühen auf eine so unauffällige Art, die mich rührt. Ihre zarten Blütenblätter werden feucht, und dann machen sie eine kleine Faust aus sich, verknoten sich, werden fast unsichtbar im Vergehen.

Es gibt mehr als 200 verschiedene Arten, darunter sind bestimmt auch solche, die für meine Verhältnisse gepasst hätten. Ich hätte in ein Blumencenter gehen sollen, Erkundigungen einziehen. Warum haben raffgierige Gärtnerinnen so wenig Geduld?

Nächste Woche: Seerosen

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