Zeitung Heute : Mein Garten Eden: Japanische Quitten

Ursula Friedrich

Es gibt Vorsätze, die man immer wieder fasst und dann regelmäßig vergisst. Zum Beispiel das Rauchen aufzugeben. Oder Marmelade aus den Früchten der japanischen Quitte zu kochen. Überall steht, dass japanische Quitten viel mehr Aroma haben als unsere bekannten Obstquitten, die auf Bäumen wachsen. Beide haben sie eines gemeinsam: Sie sind roh nahezu ungenießbar.

Aber bei den japanischen Quitten kommt noch etwas hinzu: Sie sind winzig klein

etwa tischtennisballgroß, und sie sind in sparrigem Zweig-Gewirr versteckt, umrahmt von langen harten Dornen. Man kann fast sagen - sie zu pflücken bedeutet Gefahr für Leib und Leben.

Ich habe meine japanische Quitte mit dem Namen Crimson and Gold ja auch nicht wegen der Früchte in den Garten geholt, sondern wegen der scharlachroten Blüten mit goldenen Staubbeuteln. "Wird wegen der im zeitigen Frühjahr an verworrenen kahlen Stämmen erscheinenden Blütenbüscheln sehr geschätzt", schreibt mein "Lexikon der 10 000 Pflanzenarten." Ist sehr frosthart, frohwüchsig, wächst am besten in sonniger Lage. Und auch hier ist erwähnt: "Gelbgrüne Früchte mit wächsener Haut, aus denen feine Marmeladen und Gelees bereitet werden können."

Ein knospiger Zweig in einer schmalen Vase bringt jetzt im Vorfrühling ostasiatisches Flair ins Wohnzimmer. Japanische Quitten müssen beschnitten werden, sonst ufern sie aus, bizarr, dornig und frohwüchsig. Wer sich eine ganze Hecke davon ums Haus wachsen ließe, würde von keinem fremden Hund, keiner fremden Katze und auch von keinem erlösenden Prinzen besucht.

Sie sind übrigens erst vor 200 Jahren aus Fernost nach Europa gekommen. Den guten, alten Quittenbaum, der dem Apfelbaum sehr ähnlich ist, gibt es schon viel länger bei uns. Auf Kreta wurde die Quitte schon in vorchristlicher Zeit plantagenmäßig angepflanzt. In Athen war es 600 Jahre v. Chr. gesetzlich vorgeschrieben, dass die Braut vor Betreten des Brautgemachs eine Quitte verzehrte. Ein herber Brauch, denn die Quitten vom Baum sind genau so hart und sauer wie meine japanischen Quittenäpfelchen, nur größer.

Heute hat - wohl aus diesem sauren Grunde - fast niemand mehr einen Quittenbaum im Garten. Die japanische Blütenpracht hat sich voll durchgesetzt, deren Früchte man ja auch ... Aber das hatten wir schon. Hiermit schwöre ich, dass ich im Herbst den Test machen werde, ob Gelee aus meiner Crimson and Gold tatsächlich so wundervoll schmeckt. Falls ich nicht verblutend in den Dornen hängen bleibe.

Ein kleiner Nachtrag zu der Kolumne über die unmodern gewordenen Aurikeln: im Münsterland lebt ein Hobbygärtner, der sich voll und ganz dem Sammeln von Aurikeln verschworen hat. Mit 600 verschiedenen Sorten hat er die größte Sammlung in Deutschland. Er versendet Samen und empfängt auch nach Absprache Besucher: Werner Hoffmann, Telefon 02552-60240.

Nächste Woche: Trügerischer Vorfrühling

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