Zeitung Heute : Mein Garten Eden: Kompost

Ursula Friedrich

Kompost ist gesund für den Garten. Das sagt Ihnen jeder - jeder Gärtner, jeder Naturfreund und auch jeder sparsame Mensch. Denn Komposterde kostet nichts. Wir müssen nur das ganze Jahr über genug Salat, Obst und Gemüse essen und die Reste zusammen mit Nudeln, Kaffeesatz und Gartenabfällen sandwichartig auf einen Haufen werfen. Sandwichartig - den Ausdruck habe ich bei der englischen Meistergärtnerin Vita Sackville-West gelesen. Gemeint ist schichtartig, und keine Schicht sollte zu dick sein, damit alles wohl gelingt.

Im Grunde also ganz easy. Bunt gemischt schichten und dann in Ruhe warten, bis Erde draus wird. Leider ist es nicht ganz so leicht. Jedenfalls nicht im wirklichen Leben. Es gibt da zum Beispiel von Anfang an ein heikles Problem. Wohin soll der Komposthaufen? Ganz versteckt hinter undurchschaubaren Hecken mag er nicht sein, er braucht Luft für seine Entwicklung. Sonst fault und stinkt er. Wie bei mir, zugegeben. Ich habe ihn also mehr in den Vordergrund umgesetzt.

Freier Blick vom Terrassensitzplatz auf einen Berg aus Küchenabfällen, welkem Gras, alten Blumensträußen, geziert mit den Resten von Orangen (darf man nach neuesten Erkenntnissen nun doch kompostieren, nachdem es jahrelang verboten war). Vitas berühmter Garten in Sissinghurst umfasst allerdings ein riesiges Terrain, auf dem sich ein geeigneter Platz etwas abseits leicht finden lässt. Sie saß bestimmt nicht im Liegestuhl und schaute zu, wie Krähen lange Würmer aus dem buntscheckigen Haufen herausziehen. Nein, ich muss das ändern. Es gibt ja auch Kompostbehälter. Thermokomposter, doppelwandig isoliert, mit bedienungsfreundlicher Öffnung. So einen kaufte ich im Gartencenter für 79 Euro. Und etwas später auch noch einen zweiten. Denn zwei muss man haben, wenn man sich ordentlich eingelebt hat in die Materie. Ein guter Kompost soll nämlich von Zeit zu Zeit umgesetzt werden: der junge, noch unverdaute Abfall vom Behälter Nr. 1 in den Behälter Nr. 2, die tiefer gelegenen Schichten sind vielleicht schon reif. Ganz unten befindet sich die bedienungsfreundliche Öffnung, aus der man die köstliche Nahrung mühelos entnehmen kann. Mühelos, steht im Prospekt. Ach! Wer nie seinen Kompost mit Schweiß auf der Stirn umgesetzt hat, weiß nicht, wovon die Rede ist.

Das Erfolgserlebnis allerdings ist groß, angesichts der schwarzen, krümligen, nach Wald und purer Natur duftenden Erde, die aus dem ganzen Unrat entstanden ist. Meine Erde. Meine wunderbare Erde, die ich zärtlich unter den Stauden, Sträuchern und Schlingbohnen verteile. Ja, ihr Lieben, heute gibt es etwas Gutes. Und dann beginnt alles wieder von vorn, Abfall sammeln, umsetzen, warten, wieder umsetzen...

Die zwei Behälter vor dem Fliederbusch sind auch keine Schönheiten. Neulich habe ich in einer Gartenzeitschrift erstmals einen ästhetisch akzeptablen Kompostierer gesehen. Erfordert nur etwas Handarbeit: Man bilde mit hochgestellten Rundhölzern zwei nach hinten offene Kreise. Die Rundhölzer müssen fest in die Erde gehauen werden. Mit einem schweren Hammer. Aber das, stand in der Zeitschrift, geht ganz mühelos. Und sieht echt gut aus.

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