Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Kopfsalat

Lauter guter Vorsätze: Warum unsere Autorin gerne eigenen Salat ernten möchte und auf Tomaten lieber verzichtet.

Ursula Friedrich

Ich bin froh, dass jetzt der März vorbei ist. Der März stellt jeden Gartenschaffenden auf eine harte Probe. Er will, aber er kann noch nicht.

Den langen kalten Winter über hat er optimistische Vorstellungen entwickelt, wie sein Garten in diesem neuen Jahr aussehen wird. Vorbildlich. Zwei neue Rhododendren werden in die etwas feuchte Ecke gepflanzt, in der eine Kletterrose seit zwei Jahren ziemlich lahm vor sich hindümpelt. Wäre schön gewesen, wenn sie sich, wie erwartet, um die Äste des Apfelbaums gewunden hätte. Der Apfelbaum selbst muss rechtzeitig im Frühjahr gespritzt werden mit einem Mittel, das die kleinen grauen Raupen vernichtet. Eigentlich war geplant, ihn noch im Winter mit Leimringen zu bekleben, als Präventivmaßnahme. Das hab ich vergessen, und wie ich mich kenne, wird es unversehens auch mit dem Spritzen zu spät sein, weil er bereits in Blüte steht.

Ach, aber sonst. Dieses Jahr will ich ein Salatbeet, weil nichts so gut schmeckt wie ein frühlingsfrisch geschnittener Salatkopf mit Tau bedeckt, mit dem eigenen, ganz persönlichen Tau. Die Schnecken werden ihn nicht fressen, weil ich gleich um jedes Pflänzchen ein biogetestetes Schneckenkorn streue. Ich werde das Beet ganz ebenmäßig umgraben und mit einem bisschen Kompost würzen. Der Kompost muss allerdings erst umgesetzt werden, frischer Abfall nach unten, das schöne Krümelige nach oben. Ist etwas arbeitsaufwendig, aber das habe ich demnächst vor. Jetzt geht es noch nicht, das Innere ist noch angefroren, und Salatpflänzchen gibt es auch noch nicht.

Man könnte den Salat in einer Saatschale auf dem Küchenfensterbrett vorziehen. Aber das ist mir doch ein bisschen zu viel, die ganze Küche voll mit Salatbeeten. In circa vier Wochen wird es stattliche Pflanzen in jeder Gärtnerei geben. Letztes Jahr habe ich dann doch Löwenmäulchen an den vorgesehenen Platz gesetzt. Den ersten frischen Salat bekam ich vom Nachbarn. Der war froh, seinen Überschuss loszuwerden, weil Salatpflänzchen gleichzeitig wachsen und gleichzeitig schnittreif sind.

Mit großer Strenge werde ich im Staudenbeet walten. Zurückschneiden, die ersten Blütenknospen abzwicken, weil die meisten Stauden im zweiten Anlauf üppiger und länger blühen. Mein Mohn bekommt dieses Jahr rechtzeitig eine Stütze, nicht erst, wenn die schweren roten Blütenköpfe nach dem Gewitter mit dem Gesicht nach unten auf der Erde liegen. Stramm werden sie dastehen, von stählernen Ringen gehalten.

Auf Tomaten will ich verzichten. Sie sind mir in den letzten zwei Sommern misslungen. Schwarzfäule, Tomatenwelke et cetera. Wenn ich nachrechne, was mich meine Tomaten an Zeit und Geld gekostet haben, ehe ich sie auf den Kompost werfen musste, bin ich ungefähr auf einer Linie mit dem amerikanischen Schriftsteller Arthur Miller. Er kommt auf etwa sechs- bis siebentausend Dollar pro Tomate über all die Jahre.

In einer Betrachtung über die Gartenarbeit meint Miller, dass sie von vielen Menschen geliebt wird, weil sie das Gefühl haben, gebraucht zu werden. Hilflose, von ihnen gepflanzte Wesen sind von gärtnerischer Pflege abhängig. „Immer, wenn das Leben sinnlos und unübersichtlich zu werden droht, kann man in den Garten gehen und etwas getan kriegen.“ Nur der Gärtner ist imstande, immer wieder die große Hoffnung aufzubringen, dieses Jahr werde er alles richtig machen. Jetzt dann, im April.

Nächste Woche: Veilchen

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