Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Pfefferminze

Ein frischer Strauß Minze holt den Sommer in die Wohnung, schwärmt unsere Autorin. Manchmal aber leider auch kleine runde Käfer.

Ursula Friedrich

Gottlob habe ich Pfefferminze in meinem Garten. Sie wächst zwar nicht so üppig wie sonst, weil sie es an und für sich lieber feucht hat, als so heiß und trocken wie dieses Jahr, aber es reicht für meine beiden Sommerdrinks, die ich für die Hitze erfunden habe. Version Nummer Eins ist so einfach zuzubereiten, dass ich kein Urheberrecht geltend machen kann. Eine Handvoll frische Minze mit den Stängeln grob hacken und mit kochendem Wasser übergießen. Eine Viertelstunde ziehen lassen, dann lauwarm oder auch eisgekühlt trinken - da gibt es keinen Vergleich mit einem aus trockenen Beuteln hergestellten Pfefferminztee.

Version Zwei ist etwas aufwendiger. Für ein großes Longdrinkglas presse ich eine Limone aus, zerschneide die ausgepressten Hälften, gebe sie ins Glas, tue den Saft dazu und einen langen Stängel Pfefferminzkraut, dessen Blätter ich zwischen zwei Fingern ein bisschen zerdrückt habe, und dann gieße ich mit eiskaltem Mineralwasser auf. Nach Belieben kann ich natürlich auch Zucker dazutun. Das sieht grün und erfrischend aus und schmeckt besser als Zitronenlimonade. Man kann auch Sekt verwenden, ist aber bei der Hitze tagsüber nicht unbedingt zu empfehlen. Wenn man einen Strohhalm nimmt, schmeckt es fast wie Champagner.

Zurück zur Pfefferminze: Vor 20 Jahren habe ich sie schon einmal angebaut, hauptsächlich wegen des ungeheuren Duftes, der an heißen Tagen von den pelzigen Blättern aufsteigt. Ein Strauß frischer Pfefferminze mit den blauen Blütenspitzen im Wohnzimmer ist schön wie der Sommer und riecht auch so. Eines Tages entdeckte ich kleine runde blauschwarze Käfer in der Minze. Jeden Tag wurden es mehr. Ich schnitt das ganze Kraut ab und verbrannte es. Im nächsten Jahr waren die Käfer wieder da. Eigentlich ganz nette Käfer, die nach Pfefferminze rochen, wenn man sie zerdrückte. Aber mir grauste trotzdem. Schluss mit Minze. Heute habe ich sie wieder – eine Freundin hat sie mir vom Supermarkt mitgebracht. Bis jetzt ist kein Käfer sichtbar.

Die Pfefferminze mit dem lateinischen Namen Mentha Piperita ist eine der ältesten Heilpflanzen, die von den Menschen angebaut wurde. Manche sagen, es habe im Norden schon im fünften Jahrhundert Pfefferminzäcker gegeben, und als Blumengebinde seien sie sogar bereits in ägyptischen Gräbern gefunden worden. Bei uns ist sie offenbar erst seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Meistens wächst sie in feuchten Wiesen und Mooren, die besten und aromatischen Sorten kommen aus dem nassen England.

Pfefferminzöl fehlt heute in keiner Hausapotheke, auch wenn es sich China- oder Japanisches Heilpflanzenöl nennt. Als Mittel gegen Magen-Darm-Störungen hat Pfarrer Sebastian Kneipp sie empfohlen. Ob als Tee oder Würzkraut, Einreibung oder Bonbon, Mundwasser oder Schnaps, bei Muskel- und Gelenkschmerzen oder als Hustenmittel: Minze ist kaum aus unserem Alltag wegzudenken. Ein Tropfen Minzöl auf die Schläfe hilft bei Migräne. Papiertaschentücher, die nach Minze riechen, befreien die Nase bei Schnupfen. Die Engländer verspeisen ihr fettes Hammelfleisch mit einer Mintsauce, an die man sich allerdings als Nichtengländer erst gewöhnen muss.

Darf ich meine beiden Pfefferminzgetränke ins Gedächtnis rufen und Reklame dafür machen, irgendwo in einer schattigen Gartenecke Pfefferminze anzubauen? Sie pflanzen sich übrigens nicht durch Samen, sondern durch Wurzel-Rhizome fort.

Nächste Woche: Birnbaum

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