Mein Garten EDEN : Schokomousse an Cola-Geranie

Ursula Friedrich

Als Kind waren mir an den ersten warmen Tagen im Jahr die blühenden Pflanzen im Vorgarten total egal. Die beherrschende Frage war für mich und meine Freundinnen: Dürfen wir Kniestrümpfe anziehen? Meine Freundinnen durften, ich hatte eine kälteempfindliche Mutter und musste die langen braunen Baumwollstrümpfe anbehalten. Die erste sanfte frische Luft auf der bloßen Haut! Daran musste ich denken, als ich gestern die überwinterten Geranien im Keller besuchte.

Ich hörte sie förmlich flehen: „Dürfen wir endlich raus?“ Und die kälteempfindliche Mutter in mir sprach: „Nein, erst nach der Kalten Sophie.“ Sie hatten aus ihren im Herbst gekürzten Stummeln bereits lange hellgrüne Stängel mit Blättern dran wachsen lassen, und sie taten mir unendlich leid. Aber leider sind sie frostgefährdet. Kinder, eure Blätter würden rot werden und abfallen, vielleicht würdet ihr sogar sterben.

Sehr wärmebedürftig, steht im Gartenlexikon. Mag Regen nicht. Will von unten gegossen werden. Und noch etwas steht da: Was wir Geranien nennen, sind eigentlich Pelargonien, nicht zu verwechseln mit dem um die Ecken verwandten Geranium, landläufig Storchschnabel genannt. Die Unterschiede: Geranium ist winterhart, bildet meistens niedere Büsche als Bodendecker, blaue Blüten, die Blütenblätter sind zu einer Schale geformt.

Von den Pelargonien gibt es 280 Hybridarten. Die Blätter an den Stängeln enthalten ätherische Öle. Duftpelargonien strömen sogar einen betäubenden Geruch aus. Unsere Balkongeranien mit den dicken roten, weißen, rosa Köpfen sind als Farbkleckse am besten nahe an der Hauswand zu halten. Also bitte: eine Geranie (Pelargonie) ist etwas anderes als ein Geranium (Storchschnabel).

Eine Gartenzeitschrift berichtet von einer völlig neuen Züchtung: die Cola-Geranie. Ihren Blättern entströmt ein intensives Cola-Aroma, sie lassen sich als Tee verwenden oder klein geschnitten als Beigabe zu Süßspeisen. Schokomousse an Cola-Pelargonienblatt wird vielleicht bald in feinen Restaurants serviert. Die getrockneten Wurzeln einer südafrikanischen Pelargonienart sind übrigens auch Bestandteil von Anti-Erkältungstropfen.

Man lernt nie aus. An dieser Stelle möchte ich einen schweren Fehler berichtigen, auf den mich eine Leserin aufmerksam gemacht hat: Anton Tschechow ist kinderlos gestorben. Deshalb ist die Schauspielerin Vera Tschechowa nicht seine Urenkelin, sondern seine Urgroßnichte. Pardon nach allen Seiten! Und weil ich schon beim Beschwichtigen bin: ein Sternekoch hat meinem so geschmähten Giersch die Ehre angetan, junge, „äußerst wohlschmeckende“ Triebe in eine Salatkomposition zu mischen. Na, gut! Man soll seine Vorurteile nicht verhärten.Ursula Friedrich

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