Zeitung Heute : MEIN GARTEN EDEN: Zimmerpflanzen

Mit einem Gummibaum fing alles an. Doch der erwies sich als heikel. Weshalb man auch drinnen einen Gärtner bräuchte.

Ursula Friedrich

Als ich geheiratet habe, hatten wir noch kein Haus und keinen Garten. Nur ein Wohnzimmer mit einer Balkontür und einem Südfenster. Ein einziges Fensterbrett also für Zimmerpflanzen. Vor dem Küchenfenster deponierte ich ein Schnittlauchtöpfchen. Ins Schlafzimmer gehören keine Topfpflanzen, weil das schädlich ist, sagte meine Mutter, im Krankenhaus darf man ja auch keine Blumentöpfe haben. Von meiner Schwiegermutter bekam ich einen Gummibaum geschenkt. Das war damals der Inbegriff des Wohndekors. Und Tante Lina brachte ein großes Fleißiges Lieschen, das angeblich ein Dauerblüher war.

Ich stellte die beiden aufs Wohnzimmerfensterbrett, wo sie der Südsonne ausgesetzt waren. Der Gummibaum, Ficus elastica, sah recht hübsch aus mit seinen bronzefarbenen Neuaustrieben und den glänzenden grünen Blättern. Ich goss ihn täglich. Aber ich wusste noch nicht, dass man mit Pflanzen reden, sie beobachten muss. Ein Ficus braucht zwar Sonne, aber wenig Wasser. Im günstigen Fall wird er dann bis zu 30 Meter hoch! Meiner bekam gelbe Blätter. Vor einem Besuch meiner Schwiegermutter strich ich die Blätter mit Ölfarbe grün an. Das half für einen Nachmittag, aber noch in der selben Nacht warf er sämtliche Blätter ab. Ficus mag außer zu viel Gießen auch keine Ölfarbe, lässt sich daraus ableiten.

Das Lieschen hingegen konnte ich gar nicht genug gießen. Nach ein paar Stunden Sonne ließ es den ganzen Körper hängen. Tante Lina nahm ihr Kind wieder nach Hause an seinen alten Platz im Nordschlafzimmer. Als ich es wiedersah in aller Pracht, begriff ich, dass es glückselig war, nicht mehr bei mir hausen zu müssen.

Der Umgang mit Zimmergrün ist nicht einfach. So ungefähr bei jeder Pflanze, die man heim trägt, steht auf dem Beipackzettel, dass sie keine Heizungswärme verträgt und keine direkte Sonne. Eine meiner Freundinnen hat ihr ganzes Schlafzimmer voller Orchideen stehen. Weil es dort kühl und nicht so sonnig ist, gedeihen sie herrlich. Sieht nur keiner.

Eine andere Freundin, Architektin von Beruf und mit einer strengen Vorliebe für sehr spärlich möblierte Räume, habe ich kürzlich besucht. Von Möbeln war praktisch überhaupt nichts mehr zu sehen. Ein Drachenbaum, Pterocarpus, und ein Bananenbaum, Musa, bewohnen das Loft. Beide hat sie ganz klein und unschuldig gekauft, weil ihr bizarrer Wuchs so gut in das kühle Weiß passte. Und jetzt? Sie wachsen immer weiter, wenn meine Freundin ein Stück abschneidet, gleichen sie das sofort wieder aus. Wegwerfen mag sie sie nicht, kann sie auch nicht, weil sie in einen normalen Mülltransporter nicht mehr hineinpassen. Die Freundin hat im Botanischen Garten angerufen. Nein, vielen Dank, wir haben selber genug.

Man bräuchte fachmännischen Rat, bevor man sich begrünt. Soeben lese ich, dass es das tatsächlich gibt – eine Art Gartenarchitekten für Innen. Indoor-Landscaping heißt das im Fachdeutsch. Es gibt sogar eine Bundesarbeitsgemeinschaft Innenraumbegrünung. Reiche Leute lassen sich mittlerweile von Spezialisten ganze Landschaften in ihren Häusern anlegen. Das ist sicher nicht billig, aber schön ist es schon, wenn Orchideen von Ästen hängen und nicht in irgendwelchen Töpfen auf dem Marmorfensterbrett ganz arg unexotisch aussehen.

Wenn ich nicht fürchten würde, dass die Innenbegrüner meine gesamte Einrichtung verwerfen, würde ich dort mal anrufen. Ich möchte so gern eine Fischschwanzpalme. Nur: wohin?

Nächste Woche: Der richtige Schnitt

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