Mein KUNSTSTÜCK : Alles wird ein Ende haben

Schneller als der Wind müssen die Besucher sein, wollen sie Frank Bölters Mauerwerk vor dem Haus am Waldsee bewundern. Mithilfe von Schülern aus dem Bezirk hat der Künstler den Eingang der Villa mit einer Mauer aus Pappkartons versperrt. Schon bei der Eröffnung quoll das Fundament im strömenden Regen auf. Die Außenhaut wellte sich, die durchweichte Pappe roch wie ein nasses Tier. Eine Sturmböe und das Werk ist perdu.

Frank Bölter
lässt seine Kunst im Zeitraffer von der Natur ruinieren. Dabei kollidiert er mit dem deutschen Bedürfnis nach Sicherheit und Stabilität. In Herford hat der 41-Jährige ein Reihenhaus aus Pappe gebaut. Bald zausten Wind und Wetter Dach und Mauern, bis die Baupolizei den Zugang sperrte. In Lauenburg wollte Bölter mit einem gefalteten Papierboot bis ans Ende der Welt schippern. Die Wasserschutzpolizei hielt ihn auf. Im Waldsee wird er sein Aqua-Origami am 26. Mai wiederholen. Die Bootsfahrt ist nur etwas für Mutige. Denn Bölters Kunst ist stets vom Untergang bedroht. Reizvoll beschleunigt er den Verfall, den wir aufzuhalten versuchen. Dabei führt er uns vor Augen, wie müßig Beständigkeit ist.

Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, bis So 13.6., Di-So 11-18, Mi 11-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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